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BewegungsLernen – Pferd

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Das Pferd:

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Eine neue Balance zu finden, die den Reiter sitzen und die Bandscheiben leben lässt, sollte ein im Pferd stattfindender naturgegebener Prozess sein. Oberstes Gesetz jeder Pferdeausbildung sollte demnach sein, die Wirbelkette auszurichten, denn sie beherbergt die Bandscheiben und die Spinalnerven über die sämtliche Körperteile mit dem Gehirn verbunden sind.

Die Körperhaltung des Pferdes beeinflusst die Ausrichtung der Wirbel und die Belastbarkeit der Bandscheiben. Viele Reitausbildungen sind aber nicht mehr auf die Faktoren der Körperlichkeit ausgerichtet, sondern auf die Ausübung von Disziplinen und Lektionen oder Gehorsamsspiele, die trotzdem alle einen Sinn machen, aber eben nach der ausgleichenden Beweglichkeit und Körperlichkeit des Pferdes.

Oft wird verschiedenen Lektionen eine Förderung des Pferdekörpers zugesprochen, in Wahrheit ist es eine sehr einseitige Förderung von Muskeln durch Kraftaufwand. Diese einseitigen Körperbelastungen ( im Vergleich zur Bewegungsvielfalt ) lösen im Pferd eine ganze Reihe von Problemen aus.

Einseitige Körperbelastungen und ein Mangel an ausgleichender Bewegung verursachen muskuläre Dysbalancen. Die Muskeln, die sich dann in einem unterschiedlichen Spannungszustand befinden, haben bei der Art wie wir unsere Pferde bewegen ( oder nicht bewegen ) keine Möglichkeit sich auszugleichen. Ohne ausgleichende Bewegung ist der Körper nicht  imstande diese Verspannungen auszugleichen. Aber auch diese “Schiefen” und “Einseitigkeiten” wären vielleicht noch nicht das Problem – wären da nicht die Bandscheiben!

Bandscheiben brauchen pumpende Bewegungen in ausgerichteter, aufgerichteter Haltung. Da beim Pferd die natürliche Haltung der Wirbelkette durch die Krümmung der Brustwirbelkette schon eine starke Aufwärtstendenz hat, ist jede Abweichung von der Normalität entweder Flexion oder Extension. So beeinflusst die Körperhaltung die Ausrichtung der Wirbel und ob sich die Kompressionskräfte auf die Wirbelbögen oder auf die Bandscheiben auswirken.

Auswirken sind in jedem Fall gegeben. Erkennen kann das der Reiter  – im Festhalten des Maules und an den Verspannungen des Körpers, die das leichte Reiten vereiteln.

Verkrampfte und verspannte Muskeln schmerzen weil die Blutzirkulation in den verkürzten, harten Muskelfaserbündeln nicht optimal ist, die Sauerstoffzirkulation eingeschränkt und die angesammelten Schlackenstoffe nicht abtransportiert werden können. Außerdem werden die Nervenbahnen, die in den Muskeln laufen komprimiert.

So wird aus diesem, durch das Festhalten des Körpers erzeugte, einseitige Belasten aus der natürlichen Schiefe des Pferdes, eine außergewöhnliche Überbelastung für die Wirbelkette. Denn zu den gravierendsten Auswirkungen der einseitigen Körperbelastung gehören die einseitigen Verlagerungen im Becken.

Genauer gesagt werden die Beckenhälften im Verhältnis zum Kreuzbein unterschiedlich stark belastet. Die Folge ist ein Schiefstand des Beckens mit entsprechend negativen Auswirkungen auf Wirbelkette, Muskulatur, aber in erster Linie auf die Bandscheiben. Hufkorrekturen, und entsprechende Eisen zur Behebung des scheinbar untätigeren Beines verschlimmern den Zustand nur und führen häufig zu noch stärkeren Beschwerden der Wirbelkette und ihrer Bandscheiben.

Das heute praktizierte einüben einzelner reiterlichen Fertigkeiten hilft dem Pferd weder beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe noch zum Muskelaufbau weiter, da der Selbstabilisierungsmechanismus (Stand-by Modus) eine komplexe Bewegung, die den ganzen Körper betrifft verhindert. Auch eine Muskeldehnung der Oberlinie oder der Rückenmuskulatur ist kontraproduktiv, da der Rücken zum Aufbau die Pumpbewegungen der Beweglichkeit braucht.

Damit auch der Pferdekörper mit der Belastung Mensch ( andere Bewegungsabläufe + Lektionen + Reiterlast ) ohne gesundheitliche Einbußen und ohne Beweglichkeitsreduktion klar kommen kann, müssen auch im Pferdekörper erst die Voraussetzungen geschaffen werden.

Gestörte Informationswege bekommen wieder Impulse, die zentrale Körperwahrnehmungsfähigkeit ist gegeben und die Bewegungslust nimmt zu.

Der Selbststabilisierungsmechanismus des Pferdes (Stand-by Modus)

Auch das Pferd hat einen Stand-by Modus. Und da zeigt sich wie genial die Natur das Pferd für alle Eventualitäten ausgestattet hat. Da das Pferd die meiste Zeit mit gesenktem Kopf frisst  und  im Stehen schläft, stabilisiert das Kreuzbein den Körper des Pferdes. Im Stand-by Modus bewegen sich die Beine ermüdungsfrei, aber eben steif und gerade eingerastet gestellt. Um im nächsten Moment den Kopf hochzureissen und bei Gefahr flüchten zu können. Das bewirkt das Nackenband/Rückenband das sich straff vom Genick bis zum Kreuzbein zieht. Da es eine Sehne und kein Muskel ist, ist es ohne aufzuwärmen sofort einsetzbar und allzeit bereit. Auch da geht das Pferd nicht „über den Rücken“, was bedeuten würde, das die einzelnen Wirbel der Wirbelkette beweglich sind. So können wir nicht das körperlich unvorbereitete Pferd als Reitpferd benutzen. Wir müssen aus dem straffen Gummiband ein elastisches machen, aus dem festgehaltenen Rücken einen beweglichen mit lebenden Bandscheiben und den Gelenken der Hinterhand den größtmöglichen Spielraum geben.

Auswirkungen des festgehaltenen Rückens auf die Beine

Der festgehaltene Rücken führt zu vielen Gesundheitsproblemen, an denen die Mehrzahl der Pferde inzwischen leiden. Durch die festgehaltene Lendenwirbelkette kommen die Pferde zuerst mit dem „Rückfuß“ des Hufes, mit der  Tracht auf. Die Tracht wird abgelaufen, die Zehe immer länger. Die Spannungen der Beugesehnen verschieben sich so ungünstig, das das Fesselgelenk kein federndes Spiel hat, sondern den Huf nur noch stumpf auftreten lässt.

Hufeisen unterstützen diese belastende einseitige Fussetzung. Sie erlauben dem Pferd im Bewegungsablauf abriebsfrei auf der „Ferse“ zu landen – und nicht auf dem „Mittelfuss“ . Genau diese „Belastung“ aber führt zu Knieproblemen, Probleme der Lendenwirbelkette und Gliedmaßenerkrankungen. Nur der federnde Fuß erlaubt ein „Abrollen“  – was auch den Abrieb minimalisiert. Beinstützende Maßnahmen wie Gamaschen, Bandagen und Hufeisen und eben der Bewegungsmangel des Rückens schwächen die Beugesehnen der Gliedmaßen.

Das Federn des Beines

Auch der auf den ersten Blick starre Huf des Pferdes ist flexibel sobald er auf den Boden aufsetzt. Er kann über die Beugesehnen den Aufprall abfedern und sich zugleich dem Untergrund anpassen. Und – Sekundenbruchteile später spannen sich die Sehnen des Fußes an – nur so kann sich das Pferd kraftvoll abstoßen. So wirkt das Bein des Pferdes wie eine Feder, die einen Teil der Energie beim Aufsetzen speichern und wieder abgeben kann. Diese kraftvolle Energie der Gliedmaßen bringt die Wirbel des Rückens in Bewegung – und mit dieser Beweglichkeit kann die Wirbelkette die passenden Signale wiederum an die ausführenden Muskulatur geben, die damit die mächtigen Winkel der Vorhand und der Hinterhand in Bewegung setzt. So geht die Bewegung beim Pferd durch den ganzen Körper durch.

Das heutige Reitsystem

Es macht wenig Sinn, Ausbilder, Reiter oder Hilfsmittel zu kritisieren.

Wir haben im Moment für Pferde ein Ausbildungssystem in dem es in erster Linie darum geht, dem Pferd etwas beizubringen. Aber was wollen wir unserm Pferd überhaupt beibringen? Wir überfrachten es mit „Lernmaterial“, das Pferde für ihr Pferdeleben kaum brauchen.

Statt ihnen dabei zu helfen, einen beweglichen Rücken, Vertrauen zu ihrem Körper, Selbstvertrauen zu sich selber, Koordination, und Neugier auf neue Bewegungsmuster für eine immer komplexere Menschenwelt zu erwerben, dressieren wir sie zu langweiligen Pferdekarikaturen – zu pferdischen Kuscheltieren oder artfremden Leistungssportlern.

Demgegenüber stehen die Erkenntnisse der modernen Entwicklungspsychologie (Evolution), der Lerntheorie und der Hirnforschung, die in den Ausbildungen kaum bis gar nicht berücksichtigt werden. Nur was mit Neugier gelernt wird, ist wichtig und bedeutsam. Und nur was ihnen bedeutsam ist, weckt die Beweglichkeit des Körpers und spornt die Leistungsbereitschaft an.

 

In diesem Sinne: Die Körperausbildung des Pferdes ist das, was zurückbleibt, wenn es das antrainierte wieder vergessen hat.

Das Pferd lernt, was der Mensch will,  aber sollten wir nicht eher das Pferd lehren mit seinem Körper so umzugehen, das es all diese Dinge, die der Mensch von ihm fordert lernen kann?

Das ist das BewegungsLernen

Gibt es zu den üblichen Ausbildung eine Alternative? könnte man das was in allen Reitställen gelehrt wird, auch ganz anders lehren? Wäre eine Ausbildung denkbar, in der das Pferd lernt mit seinem Körper so umzugehen, das es all diese Dinge, die der Mensch von ihm fordert, lernen kann?

Das ist das BewegungsLernen

Das BewegungsLernen kann inspirieren, aus  Ausbildungsmodellen, auszubrechen und im Interesse des Pferdes am notwendigen Fortschritt der Ausbildungssysteme mitzuarbeiten. In meinen Augen fällt einer Ausbildung die Aufgabe zu, ein System zu schaffen, das den Pferden eine reale Chance gibt, die Zusammenarbeit mit dem Menschen gesunderhaltend ertragen zu können. Die hat es heute nicht – obwohl es so viele fähige Reiter und Ausbilder gibt. Und, das Argument „die Ausbildung ist gar nicht so schlecht“, ist viel zu wenig, wenn es um das körperliche Schicksal des uns anvertrauten Lebewesens Pferd geht.

Auch das Bewegungslernen für Pferde stützt sich im grundsätzlichen auf das Gleichgewicht der lebenden Wirbelkette.
Denn eigenartiger Weise spielt die Gesamtkörperliche Bewegung ausgehend von der Wirbelkette des Pferdes, eine vollkommen untergeordnete Rolle. Die Bewegung des Pferdes ist sehr komplex. Komplexe Störungen brauchen komplexe Lösungen.
Daraus ergibt sich das die beste reelle, klassische Reitausbildung des Pferdes allein nicht ausreicht, den Körper des Pferdes in Bewegung zu bringen und die „Störungen der Reitfunktion“ zu beheben. Sogar Pferde die schon funktionelle Störungen haben, und bei denen auch psychologische Veränderungen zu sehen sind, werden weiterhin „reiterlich“ behandelt. So habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Problematik, die sich zwischen Reiten und dem Bewegungen des Pferdes ergibt, weiterhin ungelöst ist. Deutlich zeigen sich die Defizite in den körperlichen Funktionen des Pferdes.

Der Gleichgewichts-Code

Für eine Bewegung im Gleichgewicht muss alles im Gleichgewicht sein – die Nerven und Gelenke, Blutkreisläufe mit Herz und Gliedmaßen und Kiefer und natürlich die Wirbelkette mit meinem Lieblings-Hauptaspekt der Lendenwirbelkette, in der sich meiner Meinung alles ausdrückt, sammelt und auch gelöst werden kann. ( warum das so ist – das versuche ich in dem  Artikel Evolutionäre Entwicklung darzustellen). Für mich als Neuro-Freak nimmt aber ganz sicher die Wirbelkette als Botschafter zum Hirn sein Highlight ein. Da der Mensch sehr erfindungsreich ist, hat er für die Ausbildung des Pferdes unzählige Hilfsmittel erfunden, um diese Suche nach einem neuen Gleichgewicht – denn das ist das Reiten ja schlussendlich – abzukürzen. Der Reiter dachte sich, wenn ich das Pferd in die gewünschte Form bringe, wird es sein Gleichgewicht in dieser Form schon finden. Doch das ist ein Trugschluss allererster Güte – denn sobald Zwang, Festhalten oder Spannung in den Körper kommt, ist das flüchtige Ziel Gleichgewicht einfach weg. Dieses Gleichgewicht kann man nicht über ein „in Form bringen“ erreichen. Denn genau in dem Moment, in dem der Körper sich in seiner Form festhält, muss er es an irgendeiner anderen Stelle ausgleichen. Schon entstehen Ausweichbewegungen, die den Körper von seinem Ziel weiter entfernen. Es bewegt sich zwar auf eine bestimmte Weise, aber ist eben nicht im gewünschten Gleichgewicht. Deshalb ist Bewegung auch so schwer zu erklären. Dieses „kleine“ Quentchen Gleichgewicht verändert alles. Natürlich sehen wir es wenn es da ist, wie beim scheinbar mühelos aufgerichteten Pferd, das sich graziös, anmutig und doch kraftvoll in seiner Haltung bewegt. Und schon ist es wieder da – die Suche nach dem Gleichgewicht. – denn ist eine Haltung „gehalten“ – ist sie nicht mehr im Gleichgewicht.

Vom Flucht-Tier zum Steh-Tier

Ich weiß, es ist sehr schwierig umzudenken und vertraute und „altbewährte“ Ausbildungsrichtlinien anfangs zu verlassen – und doch schenken wir unseren Pferden mit dem neuen Gleichgewicht die ursprünglichste Fähigkeit sich gesund erhaltend zu bewegen. Haben wir dem Pferd aber diese Möglichkeiten gegeben, kehren wir zurück zu den reiterlichen Werten der alten Reitmeister. Das ist dann auf der einen Seite der Wunschtraum von jedem Reiter, das sein Pferd bis ins hohe Alter fit und vital zu halten, und auf der anderen Seite die Vorraussetzung für ein Zentaurgleiches Reiten in Balance.

Gebiss oder Gebiss-los

 

Mit einem manifestiertes Festhalten im Rücken und vor allem in der Lendenwirbelkette kann das Pferd seine Suche nach dem Gleichgewicht nicht lösen. Da es diesen Bewegungsabschnitt aus seinem natürlichen Gangverhalten nicht kennt, muss der Mensch das Pferd dabei unterstützen. Obwohl der Einfluss der Zügel und der Reiterhand bei der Suche nach dem Gleichgewicht oft störend ist,  braucht das Pferd das Gebiss. um leichte Impulse für seine Suche zu verwenden. Gebisslos ist in diesem Stadium des Pferdes nicht geeignet, da es so in seinem alten schwunglosen Gleichgewicht bleibt.

 Zitate

Julius Walzer Hält ein Pferd den Rücken fest, so kann die Hinterhand unmöglich richtig arbeiten, und wenn sie noch so herangebracht wird. Was in diesem Falle sogar noch fehlerhaft wäre.  

Von Holleufer …..sämtliche Lektionen und die sogenannten Hohen Schulen bezwecken nichts anderes, als das Pferd schwunghaft zu machen. Im Schwung aber liegt die Elastizität, und in der letzteren die Gewandtheit.

Die Körperausbildung des Pferdes ist das, was zurückbleibt, wenn es das antrainierte wieder vergessen hat.

Gibt es zu den üblichen Ausbildung eine Alternative? könnte man das was in allen Reitställen gelehrt wird, auch ganz anders lehren? Wäre eine Ausbildung denkbar, in der das Pferd lernt mit seinem Körper so umzugehen, das es all diese Dinge, die der Mensch von ihm fordert, auch lernen kann? Das BewegungsLernen soll dazu inspirieren, aus alten Ausbildungsmodellen, über die jeder schimpft, auszubrechen und im Interesse des Pferdes am notwendigen Fortschritt der Ausbildungssysteme mitzuarbeiten. In meinen Augen fällt einer Ausbildung die Aufgabe zu, ein System zu schaffen, das den Pferden eine reale Chance gibt, die Zusammenarbeit mit dem Menschen gesund erhaltend ertragen zu können. Die hat es heute nicht – obwohl es so viele fähige Reiter und Ausbilder gibt. Und, das Argument „die Ausbildung ist gar nicht so schlecht“, ist viel zu wenig, wenn es um das körperliche Schicksal des uns anvertrauten Lebewesens Pferd geht. Das BewegungsLernen ist nicht neu. Es ist ein „Zusammentragen von Erinnerungen zu einem bestimmten Zweck“ wie Ludwig Wittgenstein wahrscheinlich sagen würde, um das „Wollen und Können“ des Pferdes zu fördern. Und da sich das BewegungsLernen ausschließlich am Körper des Pferdes orientiert, kann es auch die Freund-Feind-Linien überwinden, bei dem jeder glaubt, sein Ausbildungssystem ist das bessere. Wenn es um das Gleichgewicht des Pferdes geht,  macht wenig Sinn, Ausbilder, Reiter oder Hilfsmittel zu kritisieren.

Der Übergang vom natürlichen Gleichgewicht zum künstlichen Gleichgewicht ist nicht leicht.

Rittmeister Voigt sagte in der Hannover Kavallerieschule 1931 „ Dass das natürliche Gleichgewicht der inneren Kräfte bei der Belastung durch den Reiter gestört wird, ist eine Sache, der bei der Dressur der jungen Remonten viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein Beispiel aus der Praxis sind junge Remonten mit wundervollen Schwung, alte Remonten die ihn bereits verloren haben.“

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