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Selbststabilisierungsmechanismus

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Der Selbststabilisierungsmechanismus ist eine als Körperselbstschutz gedachte Einrichtung und wirkt sich so bedeutend auf die Bewegung aus, das sie besondere Aufmerksamkeit verdient.

Sie ist quasi die eingebaute Handbremse des Körpers!

  • Zuviel sitzen, gehen und stehen
  • Zuviel Bewegung mit festgehaltener Lendenwirbelkette

 

Der Selbststabilisierungsmechanismus  beim Menschen wird aufgelöst durch das Vor und Zurück der schwingenden Wirbelkette (nicht rotieren)cht durch Sport oder Alltagsbewegung außer Kraft gesetzt!
Der Selbststabilisierungsmechanismus ist für den Körper so selbstverständlich, dass man ihm kaum mehr Beachtung schenkt. So wichtig wie er für den Körper ist, ist er doch der Gegenpart der Beweglichkeit – und nur wenn der Körper beim Sport, im Alltag und im Beruf in der Lage ist beides ausgewogen einzugehen, können alle Möglichkeiten der Körperfunktionen ausgeschöpft werden.

Was bewirkt dieses Festhalten? 

Eimer heben

beim Mensch:

Gerade in Situationen in welchen wir Flexibilität und Beweglichkeit brauchen würden, (wie zum Beispiel beim Reiten –  nur mit dem Becken im Sattel, ohne Bodenkontakt) suchen wir eine Art von Stabilität in unserem Körper.
In unserem Alltag, beim Heben von Gewichten, beim einfachen Gehen oder beim Bücken sind wir verleitet, uns in der Wirbelkette von den Lendenwirbeln aus, über die Brustwirbel bis hin zu den Halswirbel zum Schutz “fest zu halten”. Wir „halten“ und befinden uns in einer vorgespielten Stabilität. Kleinkinder sind noch beweglich und nutzen so bei jeder noch so kleinen Bewegung die Möglichkeiten des Körpers, da sie noch keine antrainierte Kraft haben. Sie nutzen vor allem die Zusammenarbeit der einzelnen Wirbel der Wirbelkette.

Zwischen zwei Wirbeln sind individuell nur relativ kleine Bewegungen möglich, etwa 13° Flexion/Extension, etwa 4° seitliche Beugung und etwa 1-2° Drehung. Seitliche Beugung und axiale Rotation nehmen logischer Weise von oben nach unten ab. Während des Wachstums vergrößern sich die Wirbelkörper sagital schneller als die Bandscheiben, sodass die Beweglichkeit der Wirbelkette kontinuierlich abnimmt. Die weitere Abnahme der Beweglichkeit nach der Knochenreifung ist durch die biomechanische Steifigkeit der Gewebe der Wirbelkette erklärbar. Aus diesen Gründen ist es umso wichtiger die Wirbelkette bei unseren Bewegungen in Bewegung zu bringen und nicht bewusst festhalten wie es oft suggeriert wird –  dazu später mehr.

Aber auch durch die Bewegungslosigkeit hält sich der Mensch in den Gelenken, aber allen voran in den Wirbeln, fest. Die Bandscheiben werden zwischen zwei Wirbeln gequetscht oder zu Tode entspannt. Bekommen sie aber keine pulsierende Bewegung, verkommen sie wie ein Stück Gummi, das Sommer wie Winters im Freien liegt – es wird porös.

Kommt es dann zu einer plötzlichen Bewegung oder einseitigen Anstrengung, sind sie überfordert. Hinzu kommt, das Bewegungen bei mangelnder Mobilität nicht über die Wirbelkette weitergeleitet werden – es kommt zu einem Bewegungsstau zwischen den Wirbeln. Das sind tausende kleine Stöße, Reibungen und Verdrehungen pro Tag, die im Körper stattfinden. Die Auswirkungen sind fatal. Einzelne Bandscheiben sind überfordert weil sie Einzelkämpfer sind.

 

Hebelwirkung kleiner
zum Vergrößern klicken!

Schon im Kindesalter wird uns falsch beigebracht wie man ein schweres Gewicht vom Boden hebt. Eine Fehler, der sich hält wie das Gerücht vom Eisen im Spinat.

Man soll in die Knie gehen, den Rücken fest machen, das Gewicht nehmen und so aufstehen. Diese Erkenntnis ist Jahrzehnte alt und aus einer Zeit in der man nicht wirklich viel über das Zusammenspiel in unserem Bewegungsapparat wusste, sondern rein auf den Rücken achtete und versuchte diesen zu schonen. Es ist aber dennoch schon lange überfällig, dem ein Ende zu setzen, denn es wird auch von offiziellen Stellen immer noch so gehandhabt und beigebracht.
Bei dieser Art des Gewichthebens bringt man das gesamte Gewicht auf die Knie – der Rücken bleibt steif und unbeweglich. Man stabilisiert sich und setzt somit die gesamte, kleine aber sehr starke Tiefenmuskulatur der Wirbel außer Kraft!

Der Körper verlernt seine Wirbel in die Bewegung ein zu bringen. Die Oberflächenmuskulatur des Rückens, die über den Wirbeln und der Tiefenmuskulatur liegt, wird zwar kräftiger, jedoch auch statisch.  Schäden sind nur eine Frage der Zeit! Trotzdem gibt es auch hier noch Tipps wie: Erst ein Knie aufstellen, um sich dann mit den Armen auf dem Knie aufzustützen und sich zu erheben, was die Wirbelkette noch mehr belastet, und die Lendenwirbelkette überbelastet.

 

 

Kurze Übung zu Demonstration:

 

1.Nehmen Sie ein nicht zu schweres Gewicht, zum Beispiel ein mit Wasser gefüllter Kochtopf.
2.Stellen Sie sich davor.
3.Nun beginnen sie die Bewegung mit dem Kopf. Hinter Ihrem Kopf, dort wo die Wirbelkette in Ihren Kopf reingeht, ertasten Sie eine kleine Grube. Drücken Sie mit dem Finger leicht in diese Grube und spüren Sie diesen Punkt.
4.Nun bewegen Sie das Kinn in Richtung Brustbein und achten dabei darauf, dass sich der Punkt an Ihrem Hinterkopf, den Sie gerade gespürt haben, nach oben zieht wie an einem Faden. Das ist deshalb wichtig, weil Sie dadurch Ihre Halswirbelkette beweglich machen, diese „rund“ machen. Führen Sie diese Bewegung so aus, dass es leicht geht und nur so weit, wie es sich gut anfühlt.
5.Jetzt lassen Sie Ihre Arme und Schultern entspannt nach vorne, nach unten schlenkern bzw. hängen.
6.Sie stehen nun mit gesenktem Kopf, die Schultern entspannt nach vorne gekippt, die Arme nach unten hängend, den Blick zum Kochtopf.
7.Nun machen Sie einen Rundrücken und versuchen Sie sich, Wirbel für Wirbel nach unten zu bewegen. Langsam und bewusst Wirbel für Wirbel! Ohne Anstrengung! Das Kinn bleibt dabei locker Richtung Brustbein und hängt dort.
8.Bei manchen wird es notwendig sein, die Knie abzuwinkeln, wenn das so ist, tun sie es einfach. Wichtig ist, dass wir keine Muskeln anspannen oder verspannen.
9.Nun würden die meisten - so haben wir es ja gelernt, in die Knie gehen, und das Gewicht mit den Beinen und geradem Rücken heben. Wir machen es anders!
10.Nun runden sie die Wirbelkette - Wirbel für Wirbel, bis Ihre Arme die Griffe des Kochtopfes berühren.
11.Sie haben einen runden Rücken gemacht, alles hängt nach unten, Ihre Hände sind an den Griffen, der Kopf hängt einfach entspannt nach unten. Der Blick ist nicht auf den Kochtopf gerichtet - das ist wichtig, denn dabei würden Sie Ihre Wirbel wieder strecken und anspannen. Kopf einfach hängen lassen, der Blick geht eher in Richtung Ihrer Knie.
12.Sie haben die Hände an den Griffen, die Knie sind möglicherweise leicht gebeugt, Ihr Becken steht nach hinten raus. Nun brauchen Sie nur noch das Becken nach vorne schieben und Ihren runden Rücken langsam, Wirbel für Wirbel nach oben zu bewegen. Achten Sie dabei darauf, dass der Kopf sich erst ganz zum Schluss hebt, ein sehr wichtiges Detail.
13.Also: einfach nur „den Hintern nach vorn schieben“ und sich erheben (den Unterbauch nach oben schieben)Machen Sie es einige Male und achten Sie darauf, dass Sie einen Rundrücken haben. Die Bewegung nach unten beginnt mit dem Kopf - bei der Bewegung nach oben endet die Bewegung mit dem Kopf - er kommt erst zum Schluss hoch.

 

Dies ist nur eine sehr grobe Darstellung, es gibt noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten die man einbinden könnte, aber das würde zu hier zu lange dauern.
Ebenso kann ich die Wirkungsweise ohne einer Beobachtung beeinflußen bzw. verbessern.
Sie werden dennoch merken, wie einfach es gehen kann sich zu bewegen, zumindest einen Eindruck bekommen.
Je öfter Sie diese Demonstrationsübung machen, desto beweglicher werde Sie.

Zum Vergleich versuchen Sie es noch mal auf die alte Methode – bücken Sie sich, winkeln Sie die Knie ab, halten Sie den Rücken fest und heben Sie das Gewicht mit Ihrem Kreuz und den Beinen. Es entsteht ein sehr starker Druck auf die Knie, ein Festhalten und Verkrampfen in Becken und Lendenwirbelbereich (die Hebelwirkung des langen Hebels wirkt mit der vollen Belastung auf die Lendenwirbel und den Übergang zum Becken, die Sakroiliakalgelenke ein)
Diese Bewegung fällt ihnen um ein Vielfaches leichter, weil Sie einfach Ihren ganzen Körper so einsetzen, wie es in seinem Bauplan vorgesehen ist.  Durch die beweglichen Wirbel wird die Wirbelmuskulatur aktiviert, die eine Bewegung über die Nervenbahnen im das Gehirn verknüpft.

Fazit:
Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten einer Bewegung. Einen Schritt nach dem anderen führen wir den Körper mehr und mehr zu einer effizienten und gesunden Bewegung, bis alle Hebelwirkungen im die Seilzugwirkungen umgesetzt sind, die er zur Verfügung hat.

So arbeiten wir übrigens auch am Reitersitz.

 

 von Roland Pausch

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