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Das BewegungsLernen

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Das BewegungsLernen – die Pferdepädagogik ohne Druck und Zwangshutterstock_127042865

Das BewegungsLernen möchte Ihre Neugier wecken: Prüfen Sie was Ihr Training, die Ausbildung Ihres Pferdes und Sie persönlich mit Ihrem Körper durch ein „körperliches Update“ gewinnen könnten. Gibt es vielleicht neue Einsichten und Ansichten, wie sie Ihr Pferd noch besser verstehen, und Ihre Pferdeausbildung noch nachhaltiger gestalten können?

Die exzellenten Reiter unterscheiden sich von den anderen in einem: sie haben zusätzlich zu ihrem körperlichen – für das Pferd einfach zu verstehenden Körperausdruck – die Wachheit Ihrer Sinne für den Entwicklungsprozess im Körper ihres Pferdes.  Aber sie haben auch die Offenheit  neue körperliche Verbesserungen für ihr Pferd zu probieren und haben Freude daran ihre Ausbildungswege immer und immer wieder an den Bedarf des Pferdes anzupassen, um sich später nicht fragen zu müssen, warum man das nicht schon viel früher gemacht hat.

Denn auch – oder gerade beim Pferd gilt: „Das Bessere ist der Feind des Guten“

Checkfragen

  • Verlassen Sie sich beim Reiten nur auf Ihre Erfahrungen und Ihr Gefühl?
  • Meinen Sie, dass Sie auch ohne das Wissen um die körperlichen Vorgänge im Pferd ein guter Reiter sind?
  • Lehnen Sie solche Ansätze ab, weil Sie nicht zu Ihnen als Reiter passen?
  • Reiten Sie Ihr Pferd mit „Scheinwissen“?
  • Geben Sie sich manchmal der Täuschung hin, Sie hätten alles, oder zumindest alles Wichtige über das Reiten gelernt?
  • Fällt es Ihnen schwer, das Gelernte bei Ihrem Pferd anzuwenden?
  • Fallen Sie nach wenigen Anwendungsversuchen von körperlichen Unterstützungen wieder in Ihre Routine zurück?

Reiten Sie wirklich so, wie es ihr Pferd braucht?

Wie lernt eigentlich ein Pferd?

Das Pferd lernt fast ausschließlich über sein Körpergehirn. Genauer über seine Nerven, Nervenleitungen und Nervenbetten. Das echte Erlernen des Pferdes ist deshalb immer mit den Bewegungen seines Körpers gekoppelt. Jedes Pferd kommt mit einem großen Bedürfnis Bewegungen zu lernen auf die Welt. Das Pferd lernt laufen, weil das seine Natur ist, und seine Neugier auf viele, viele neue Bewegungen ist von Natur aus unbändig und ungebändigt. Die Bewegungserfahrungen, die es dabei mit seinem Körper macht, helfen ihm dabei.

Wann immer es eine Lernerfahrung macht, und das geschieht bei jungen Pferden fast unausgesetzt, verändert sich „das Bewegungsgehirn“ des Pferdes ein kleines bisschen. Alles was es körperlich selber erlebt oder nachahmt, sortiert das Bewegungsgehirn in Windeseile und das Pferd erfühlt mit dem Körper, ob eine Bewegung relevant ist und abgespeichert werden soll. Auf diese Weise hat sich der Körper des Pferdes für das Überleben entwickelt und perfektioniert.

So hat die Natur offensichtlich unerwünschte Wechselwirkungen durch Veränderungen während ihrer Millionen von Jahren währenden Entwicklungen gut ausgeglichen. Solange keine unnatürlichen Einflüsse! (der Mensch) oder Stressfaktoren (wieder der Mensch) von außen die Bewegungsketten des Körpers zerstören und ins Ungleichgewicht bringen. Vor allem der Rücken des Pferdes (wie auch beim Menschen)mit seinem Informationszentrum Rückenmark leidet also, wenn wir ihn nicht mit der Tiefen Bewegung fordern und obendrein auch noch zusätzlich falsch belasten.

Aus der Sicht des Körpers ist das körperliche Lernen also nichts anderes als das Wachstum von Rezeptoren und Sensoren, die sich immer stärker mit dem Gehirn verknüpfen und dabei rege Verbindungen aufbauen. Und je besser die bereits vorhandenen Nerven-Verbindungen sind, umso leichter fällt es neuen Verbindungen und neue Bewegungen zu erzeugen. Das bedeutet, das die Tiefe Bewegung die man mit dem BewegungsLernen erlernen kann das Unterbewusstsein des Pferdes mit seinem realen Körperbedarf verknüpft und verlinkt. Das BewegungsLernen verfeinert damit die Bewegungsabläufe des Pferdes ohne Abhängigkeit, Druck oder Zwang.

Das BewegungsLernen zeigt mit viel Hintergrundwissen, Studien, Erfahrungsforschung und praktischen Erkenntnissen was heute eine gute und umfassende Bewegungsentwicklung des Pferdes ausmacht und wie Sie Ihre persönlichen Ausbildungswege optimieren können und die Tiefe Bewegung in Ihre Arbeit mit dem Pferd integrieren können. Ziel ist es, Ihnen die Möglichkeit zu geben, das Thema Bewegung im Zusammenhang mit der Pferdepädagogik neu zu überdenken.

„Handeln mit Scharfsinn und Zartgefühl“

Den Fehlern vorbeugen anstatt sie zu bekämpfen und sie in jedem Falle mit Maßen korrigieren (General Alexis l´Hotte)

Jedes Pferd lässt sich durch zwei Prinzipien führen – durch Vertrauen oder durch Kontrolle.

Den meisten Reitern wird Nuno Oliveira bekannt sein. Nuno Olveira  war und ist unverwechselbar. Nicht nur weil er besser reiten konnte wie viele andere, sondern weil er ein perfektes Beispiel für die gerittene Bewegungsentwicklung mit dem Pferd gegeben hat. Er konnte – während er die Führung über das Pferd gewonnen hat, aus dem Pferd seinen Freund machen. Er hat die Bewegungen des Pferdes verstanden und entstehen lassen, ohne dabei einen Druck aufzubauen und ohne dabei seinen Führungsanspruch zu verwässern. Und er hat dem Pferd dauerhaft gewährleistet, dass er die Bewegung, die er zum Reiten braucht, nicht erzeugt oder gar erzwingt, sondern dass er immer die Eigenaktivität des Pferdes sucht.

Eine klare Zielführung des Körpers, gepaart mit der Bereitschaft zur ständigen Hineinhorchen in den Pferdekörper, verbunden mit einer effizienten Mischung aus eigener Führung und Unabhängigkeit des Pferdes. Und Vertrauen anstatt Kontrolle. Wie konnte Nuno Oliveira dieses Kunststück gelingen?

Natürlich kann man sagen, dass dieser Mann einfach nur besser reiten konnte, aber sein Geheimnis liegt woanders:  Unbeeindruckt von seinen Zuschauern hat er sein Pferd entstehen lassen. Er stellte sich der oft unbequemen, aber auch einfachen Wahrheit, dass die körperliche Grundlage des Pferdes einfach noch nicht gegeben ist. Deshalb konnte er in eindrucksvollen Darstellungen auch schwierige Pferde zeigen, bei denen sich andere abgewendet haben. Wo andere schon lange forderten, ließ er immer noch die Eigenaktivität des Pferdes zu. Die Tiefe Bewegung – diese Bewegung, bei der das Pferd vollständig beim Menschen sein kann, und doch in SEINEM Körper.

Damit war er im wahrsten Sinne des Wortes ein Vorreiter der Bewegungsentwicklung des BewegungsLernens. Er wusste das Pferde besser reagieren können – auch unter dem Sattel  – wenn sie sich aus eigenen Beweggründen frei bewegen können.

Obwohl wir soviel wissen wie nie zuvor – oder gerade deshalb – hat die Pferdeausbildung noch heute die archaischen Züge, die sie in weit zurückliegenden, unsensibleren Zeiten hatte. Trotzdem können wir uns das neue Wissen aus der Bewegungslehre, der Tiefen Bewegung und zur Gehirn- Nervenübertragung eines Körpers, über die Primitivreflexe, der Biomechanik und der Pferdepädagogik zunutze machen. Das BewegungsLernen möchte Ihre Ausbildung damit optimieren! Diese Erkenntnisse bringen ganz neue Aspekte in Ihre Bewegungsentwicklung mit dem Pferd, die für Ihr Pferd tiefgreifende Auswirkungen auf seinen Körper haben wird.

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Auf der ersten Skizze ist die weit verbreitete Beugehaltung zu sehen. Die Höhe der Halsstellung ist dabei nicht entscheidend. Auch ein aufgerichtetes Pferd kann in Beugehaltung geritten werden. Entscheidend und erforderlich für eine aktive, Tiefe Bewegung ist die Entlastung der Wirbel für ein funktionelles Zusammenwirken der Wirbelkette. Bei der tiefen Halshaltung in der Bewegung, wie auf der Skizze zu sehen, bekommen die neuralgischen Knotenpunkte Kompressionsdruck. Eine Tragemuskulatur, die die Wirbel entlasten würde, kann dabei nicht entstehen. Das Becken ist durch den Zug des Nackenbandes, aber vor allem natürlich durch die Unbeweglichkeit der Wirbel, auch in der Bewegung statisch nach vorne gekippt. Das Becken, seine Psoasmuskeln und die Iliosakralgelenke verlieren ihre wichtigen Fähigkeiten. Auf der zweiten Skizze werden dieselben neuralgischen Knotenpunktebelastet. Durch die belastete Wirbelkette können auch in der hoch aufgerichteten Halshaltung nur ein eingeschränkter Informationsaustausch und keine Tragemuskulatur entstehen. Das Pferd ist von der Hand des Reiters abhängig und nicht mehr zu autonomen Bewegungen fähig. Bei der dritten Skizze konnte Tragemuskulatur entstehen, die die Wirbel förmlich nach oben ziehen, und damit entlasten. Die Entlastung beginnt im ersten und zweiten Halswirbel und setzt sich in einer federnden Bewegung fort bis ins Kreuzbein. Die Iliosakralgelenke und die Psoasmuskulatur können ihrer federnden Arbeit nachkommen und das Becken kann weich in den Rhythmus der Bewegung eingehen. Die Hüfte wird damit entlastet.

Das BewegungsLernen – der Hintergrund

Die Ansprüche die wir an das Pferd stellen, sind in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen – die Bereitschaft aber, etwas KÖRPERLICH mit dem Pferd zu tun, leider drastisch gesunken. Vor allem der Erwartungsdruck ist es, mit dem das Pferd nicht mehr klarkommt. Während in früheren – ganz bestimmt nicht besseren Zeiten, harte körperliche Leistung – manchmal bis zum Umfallen erwartet wurde – hat sich die Zeit heute für das Pferd einschneidend gewandelt – leider nicht zum besseren.

Der vermenschlichte Druck und auch Dominanz in ihren verschiedenen Facetten, ist mit der Erwartung, dass der „Partner“ Pferd sein bester „Freund“ ist, für das Pferd gewaltig angestiegen. Damit hat man dem Pferd in vielen Fällen das genommen, was es als Fluchttier Pferd ausmacht – die freie Bewegung.
Die Tiefe Bewegung, vom Körper in einer Eigenaktivität ausgeführte Bewegung ist durch eine passive, äußere Bewegung, bei der nur Partien des Körpers beteiligt sind, ersetzt worden. Der Druck, den der Mensch dem Pferd mit den veränderten Eigenschaften „lieb“ zu sein, oder auf stimmliche Kommandos bestimmte eingeschränkte Bewegungen auszuführen hat das Pferd von seiner Bewegungswahrnehmung seines eigenen Körpers entfernt.

Dazu kommt eine falsche Einschätzung – oder vielleicht ist es auch die logische Folge davon – seiner „Bewegungsstatik“ – der Biomechanik. Das was für das Pferd heute in seiner eingeschränkten Bewegungswelt von dem vielen auf der Stelle stehen und fressen, von reglementierenden Bewegungen und einer Körperentwicklung die ausschließlich aus Reiten entsteht, gültig sein mag, ist für ihn in der „freien“ Bewegung, eine katastrophale Falschinterpretation seiner Bewegungen.

Wie Sie inzwischen schon wissen, ist die Entlastung der Wirbelkette mit ihrem ungestörten Informationsdurchgang für eine durchlässige Bewegung absolut erforderlich. Wenn wir die Position, die das Pferd bei einer ruhenden oder fressenden Position einnimmt, mit der vermischen, die es braucht, um sich mit allen Körperfunktionen bewegen zu können, kommen wir schnell zu neuralgischen Knotenpunkten in der Wirbelkette. Vorrangig in den Biegungen seiner Wirbelkette, also da wo die Aktion abgeht, und den damit verbundenen Multiplikatoren – den einzelnen Wirbeln und Bandscheiben.

Mit der Spannung, die da in der Wirbelmuskulatur entsteht, und dem Kompressionsdruck, der damit auf Wirbeln, Bandscheiben, Nerven und Nervenbetten lastet, kann der Körper seine Kommunikationskanäle, die er zur Bewegung braucht nicht mehr nutzen, und ist gezwungen, sich andere Kanäle, sogenannte Ausweichkanäle zu suchen.

Hüfte oder Becken
Ein natürlicher Gang ist dem Pferd so aus biomechanischen Gründen nicht möglich. Durch die Kompression der Wirbel ist der Informationsfluss derart gestört dass die Bewegungsinformationen nicht mehr bis ins Bewegungszentrum – den Lenden- und Beckenbereich kommen. Die Bewegungsanreize müssen zwangsläufig gleich an die Gliedmaßen weitergegeben werden. Und jetzt entsteht etwas, was es in der gesamten Evolution nicht gegeben hat. Vorder –und Hinterbeine bewegen die Schultergelenke und das Becken, und nicht umgekehrt.

Diese Hebel sind zu groß für Muskeln, Sehnen, Bänder und vor allem für die Gelenke. Durch das inaktive Becken entsteht eine Innenrotation des oberen Hinterbeines, wovon natürlich alle fünf Gelenke, auch Knie- und Hüftgelenke betroffen sind. Dass sich das wiederum im übrigen Körper fortsetzt und Auswirkungen hat, muss ich an dieser Stelle wohl nicht mehr extra erwähnen.

Übrigens: wenn sich das Pferd derart in der Hüfte bewegen muss, ist das die genau entgegengesetzte Bewegung zur Beckenbewegung. Da das Becken inaktiv oder einseitig ist muss das Pferd einen anderen „Kanal“ für seinen Bewegungsbeginn suchen.

Individualisiertes Lernen – jenseits von BewertungenThierbach SW

Dem Pferd eine Bewegung beibringen – also eine körperliche Ausbildung des Pferdes – leistet nur dann eine gute Arbeit, wenn sie vor Beginn analysiert, wo der Pferdekörper in seiner Entwicklung evtl. Schaden genommen hat wie z.B. Fehlstellungen, Verletzungen oder Schiefen. Sie muss Bewegungen aus der Sicht und aus dem Bedarf des Pferdes verstehen und begreifen und muss auch wissen  wie und durch was  sich eine Bewegung stören lässt. Aber sie muss vor allen Dingen ohne Bevormundung des Pferdes an die Seite des Pferdes treten und seine Potenziale stärken können.

Der Prozess der Körpersteuerung des Pferdes kommuniziert in zwei Richtungen, zum einen mit dem menschlichen Umfeld, das aus Umgang, Obhut und Reiten besteht, zum anderen nach innen mit dem biologischen Bewegungssystem des Pferdekörpers.

Und tatsächlich kann das, was der Menschenkörper mit dem Pferd austauscht, durchschlagende Wirkung auf das biologische Bewegungssystem des Pferdekörpers haben. Natürlich in jede Richtung – positiv oder negativ. Die Wechselwirkung zwischen Mensch und Pferd entsteht. Merkwürdigerweise findet das phänomenale Ausmaß der Wechselwirkungen zwischen den Bewegungsmöglichkeiten des Menschen und den körperlichen Vorgängen in der Pferdeausbildung kaum Beachtung.

Da das Gehirn des Pferdes Kommunikation in Bewegung umwandelt, können auch Worte (wie z.B. das Becken, Becken, Becken) – und dies lässt sich wissenschaftlich einwandfrei nachweisen – auf die gleichen Bewegungsrezeptoren einwirken. Worte finden zu den körperlichen Abläufen vor allem dann einen guten Zugang, wenn die an das Pferd gerichtete Ansage bereits auf einen im Körper vorgegebenen Weg treffen. Wenn der Pferdekörper sozusagen weiß, was ihn erwartet.

Das Lernen des Pferdekörpers ausschließlich über das Reiten zeigt zwei große Schwierigkeiten. Erstens natürlich wenn man an den körperlichen Ursachen vorbei „ausbildet“. Also wenn man reiterliche Bewegungen verlangt die der Körper noch nicht bereit ist zu geben. Genauso wirkt sich aber die andere Variante aus. Ein geübter, guter Reiter kann genauso gut verschiedene reiterliche Bewegungen „herauskitzeln“ – im absolut positiven Sinn. Da sie aber vom Pferd nicht selber in seiner tiefen Bewegung gebracht worden sind, wartet das Pferd geradezu auf die Unterstützungen des Reiters – die Nabelschnur, die das Pferd mit dem Reiter verbindet! Auch da wird das Pferd nicht in seinen Körper hineinhorchen – eine Art Abhängigkeit entsteht, die leider an den Bedürfnissen des Pferdekörpers vorbei führen können.

Das BewegungsLernen

Zu der Bewegungsentwicklung des BewegungsLernen brauchen Sie kein Reitkünstler sein. Im Gegenteil – es kommt nicht darauf an, mit welcher „Vorbildung“ sie nach der Tiefen Bewegung Ihres Pferdes forschen. Sie arbeiten so gut wie sie können, denn das BewegungsLernen funktioniert einfach. Die zwei entscheidenden Vorteile sind, dass sie die Entwicklung  der Tiefen Bewegung schnell erlernen können und fast sofort die Ergebnisse von Ihrem Pferd zu sehen bekommen.

Die Tiefe Bewegung bietet dem Reiter gemeinsam mit dem Pferd die Möglichkeit Bewegungen zu entdecken, von denen beide bisher nicht wussten, dass sie sie haben. Das Pferd wird dabei nicht durch spezielle Techniken, Anreize, Belohnungen oder gar Strafen motiviert. Mit der wirksamsten Motivation zur Bewegung, die man kennt, unterstützen Sie die Bewegungen Ihres Pferdes auf seiner Suche nach seiner Tiefen Bewegung – mit Ihrem eigenen Körper. Für das Pferd markiert das einen wichtigen Wendepunkt.

Ein Umdenken in einen Entwicklungsprozess, in einen rätselhaften Prozess der Veränderung, der oft nicht sichtbar ist, fällt manchmal nicht leicht. Vielleicht wollen Sie ja mehr, als ihr Pferd ausführen kann – oder weniger. Die Tiefe Bewegung ist ehrlich. Sie erkennen wo die Schwachstellen im Körper Ihres Pferdes sind und sehen die Knotenpunkte der Verspannungen, die das Pferd daran hindern frei beweglich zu sein.

Für den Menschen ist es das schwerste überhaupt,  sein Pferd in unharmonischen Bewegungen zu sehen und nicht sofort korrektiv oder kontrollierend einzugreifen – aber….
Jede Veränderung ist eine Tür, die man nur von innen öffnen kann (Französisches Sprichwort)
Diesen Grundsatz zu befolgen ist sicher nicht leicht, und immer wieder werden Sie in die Forderung der äußeren Bewegung hinein rutschen.

 

     Die Vorbereitung zum Reiten von Pferd und Mensch
        • Die Vorteile der Vorbereitung
        • So bereiten Sie sich optimal vor
        • 
So bereiten Sie Ihr Pferd optimal vor
        • Die Vorbereitung mit den Werkzeugen der Natur
        • Die Bedeutung für das Pferd
        • Der Schwerpunkt entscheidet über alles
        • Dagegen die konventionelle Ausbildung

     Wahrnehmung und Wirkung der Primitivreflexe
        • Wie Sie selber die Primitivreflexe auslösen können
        • Die Handlings der Primitivreflex

Die Vorbereitung zum Reiten von Pferd und Mensch

Wieso ist die Vorbereitung für Pferd und Mensch unerlässlich?

  • Das Pferd hat heute nicht mehr die Möglichkeiten, seine körperlichen Anlagen ausreichend selber zu entwickeln und zu fördern
  • Der Mensch selber bleibt in seiner Bewegungsentwicklung durch die Gewohnheiten des Alltages stecken
  • Ohne körperliche Vorbereitung von beiden bedeutet der Mensch eine Störung für den Bewegungsmechanismus des Pferdes
Wir schaffen einen Rahmen, in dem sich das Pferd verwirklichen kann


Wer reiten will, muss eine Reihe von körperlichen Fähigkeiten mitbringen. Eine grobmotorische Reitersitzhaltung hat nichts mit der intuitiven Feinmotorik zu tun, die Sie auf dem Pferd brauchen – und die auch Ihr Pferd braucht.
Es gibt keine Anleitung zum Reiten – denn der Reiterkörper braucht dafür eine spezialisierte Feinabstimmung. Der Körper verliert seine eingefleischten Bewegungsmechanismen nicht, nur weil man auf dem Pferd sitzt, und die Bewegungsmechanismen die im Alltag ihren Körper formen, nehmen Sie auf das Pferd mit. Für eine solche „Spezialisierung“ muss der Körper lange, ausführlich und immer wieder vorbereitet werden.
Wer sich selbst und sein Pferd jedoch ohne spezialisierende Vorbereitung in eine gemeinsame Aktivität stürzt,  gefährdet damit seine und natürlich auch die Gesundheit des Pferdes.
sich ohne Vorbereitung in eine gemeinsame Aktivität stürzt, läuft Gefahr..


Die Vorteile der Vorbereitung

Wie immer im Leben bedeutet eine Partnerschaft eine gemeinsame Basis, um auf auftretende Hindernisse gut vorbereitet zu sein. Die Partnerschaft Pferd bedeutet noch mehr: Die Natur hat das Pferd zwar mit allen Möglichkeiten ausgestattet Lasten zu tragen, aber diese körperliche Fähigkeit muss erst entwickelt werden. Die heutigen Aufzucht und Haltungsmöglichkeiten sind dazu nicht mehr geeignet. Während das Pferd im großen Herdenverband die Möglichkeit hatte, im Spiel mit Gleichaltrigen seinen Körper auf seine spezifische Aufgabe im Leben vorzubereiten, übernimmt heute der Mensch die Ausbildung von Bewegungen – manchmal im frühesten Alter. Das BewegungsLernen nimmt sich die Entwicklung von Naturbewegungen als Vorbild, damit Sie zusammen mit dem Pferd zwei Körper formen können die abgerundet und stimmig sind und das Pferd auf seine „Karriere“ mit dem Mensch vorbereitet. Zwei Körper formen sich, Mensch und Pferd!


Die Basis für die richtige Vorbereitung des Menschen ist die Gleichgewichtsposition in der der Körper immer wieder in seinen Schwerpunkt findet. Dazu müssen aber alle Gliedmaßen frei beweglich sein, die Wirbel frei reagieren können und die Gelenke zentriert, ausbalanciert sein. Deshalb ist das Sinnvollste was Sie mit Ihrem Körper erlernen können, dass er reagier-und veränderungsfreudiger wird. Und – dass Sie mit Ihren bisherigen, einschränkenden Gewohnheiten spielen können. Unser Körper ist durch Millionen Jahre menschlicher Entwicklungsgeschichte befähigt worden, sich ökonomisch und zweckmäßig bei den sich stellenden Aufgaben zu verhalten. Die können wir klarer erkennen, genauer wahrnehmen und feiner darauf reagieren, wenn sie nicht willentlich ausgeführt werden oder wir uns unbewusst hindern, weil unser Körper blockiert oder eingeschränkt handlungsfähig ist. Der Prozess des BewegungsLernens ist deshalb eine Selbstumerziehung für den eigenen Körper. Schritt für Schritt – so wie Sie sich als Kind ihre Möglichkeiten erschlossen haben. Das Reiterrückenseminar legt den Grundstein für die körperlichen Fähigkeiten, die der Mensch zum Reiten braucht. Immer mit dem Ziel, dass Ihr Körper für Ihr Pferd so angenehm wie möglich wird. Und das wird er – wenn Sie Ihre Schwerpunktlinie in jeder ihrer Bewegungen finden können. Schritt für Schritt – wie damals als Kind


So bereiten Sie Ihr Pferd optimal vor

Anders wie bei Beschäftigungen oder Sportarten mit einem Sportgerät, muss der Partner Pferd genauso, oder fast sogar noch sorgfältiger auf die Begegnung mit dem Mensch vorbereitet werden.  Wenn Sie ihr Pferd  für eine entwickeltere Bewegungsform vorbereiten, wird das Pferd die Bewegungen aus eigener Initiative und selbstständig immer wieder ausführen. Dies hat im Vergleich zur konventionellen Ausbildung den Vorteil, dass es nicht krampfhaft und gezwungen oder in Schlaffheit geschieht, sondern mit guter Muskelkoordination und einer guten Grundposition im Schwerpunkt. Man kann beobachten, dass die Pferde nicht nur zeitweise, sondern dass sie sich immer kontinuierlicher  im Schwerpunkt bewegen. Es wir zum organischen Bestandteil ihrer täglichen Aktivität – es sind die Regeln der Natur.

Das Ziel der Vorbereitung für das Pferd

Das Ziel ist, den Körper des Pferdes so vorzubereiten, dass er die Gleichgewichtsposition leicht einnehmen kann. Um für den Körper ein Minimum an Belastung zu erreichen, muss nicht nur die Körperposition als Ganzes im Gleichgewicht mit den äußeren Kräften sein, sondern jedes Einzelteil der Körperkonstruktion muss einzeln ausbalanciert sein. Dazu muss jedes Einzelteil – jeder Wirbel, jeder Knochen und jedes Gelenk ausgewogen positioniert und frei beweglich sein. Damit hört die Enge einer einschränkenden Bewegung auf und der Körper kann intuitiv seinen Schwerpunkt in den Mittelpunkt verschieben. Die gültigen Grundsätze für das Stützen, Balancieren und Bewegen der Körpergewichte sind fest mit dem Ablauf aller lebenswichtigen Prozesse des gesamten Organismus verbunden. Das Pferd kann sich dann in seiner Tiefenmuskulatur entwickeln und in seinem Tragesystem ausbilden. Es hat in jedem Augenblick eine differenzierte Kontrolle über seinen Körper, sowie eine genaue Koordination seiner Muskelaktivität. Das Spiel seiner Balance, dass zwischen Schultergürtel und Beckengürtel stattfindet, wird auch vom Menschen, der angenehm in seiner Schwerpunktlinie sitzt, nicht behindert. Das Pferd ist vom Menschen nicht mehr manipulierbar und kann sich unter dem Sattel, unter der „Spürung“ (gespürte Führung) vom Menschen, selbständig weiterentwickeln. Das Pferd  hat in jedem Augenblick eine differenzierte Kontrolle über seinen Körper!


Die Vorbereitung mit den Werkzeugen der Natur

Wir geben uns damit nicht zufrieden, Pferde irgendwie auszubilden, auf Widersetzlichkeit zu warten um sie dann zu korrigieren – wir entwickeln die Ressourcen , nach den Regeln der Natur, die unverlierbar in uns Menschen – und genauso in den Pferden schlummern, und jederzeit wieder belebt werden können.Die koordinativen Muster, die Pferde von Natur aus haben, sind ohne Vorbereitung nicht geeignet, um sich unter dem Reiter längere Zeit schadensfrei fortbewegen zu können. Das Ziel des BewegungsLernens ist eine störungsfreie Muskulatur und zusätzlich die Neukoordination des Bewegungsablaufes zu entwickeln. Das BewegungsLernen entwickelt eine neue Qualität der Bewegung des Pferdes – sie möchte nicht beherrschen sondern verstehen! Immerhin sprechen wir beim Pferd von einem hoch integrierten, fein gesteuerten und komplizierten System von Nervenreflexen und Muskulatur. Ein Pferd kommt mit diesen Fähigkeiten und Anlagen der Beweglichkeit auf die Welt. Erst mit seinen Aufgaben im Leben entwickelt sich sein Körper dazu. Die Natur bereitet mit dieser „Grundausstattung“ seine Lebewesen gründlich auf die ihnen bestimmten Aufgaben vor. Mit diesen angeborenen Fähigkeiten und Anlagen können wir das Pferd auch auf den Menschen vorbereiten. Bewegungen „Leben“ nicht verstehen oder beherrschen wollen!


Die Basis des BewegungsLernens

Wir stellen mit den Primitivreflexen Aufgaben an das Pferd, die an das Bewegungsspiel des Fohlens angelehnt sind. All diese Körperaufgaben fördern das, was als erstes im Pferdefötus angelegt wird – den Gleichgewichtssinn des Pferdes  – und das was beim Neugeborenen als erstes Kraft bekommt, die Bewegung des Beckens, um eine Bewegungskontrolle durch die tiefe Muskulatur in den Wirbeln des Rückens – der Wirbelkettenmuskulatur, zu erreichen.  Sie wurde vom Fötus schon vor der Geburt im Mutterleib gebraucht, um sich zu drehen und den Rücken mit seinen Beinen zu „bewegen“. Nach der Geburt sind es diese Muskeln, die für die Zentrierung (Schwerpunkt) des Körpers sorgen und als erstes aktiv werden. Die Schwerpunktlinie in allen Situationen schnell zu finden, bedeutet für das Pferd die kleinste Belastung für die einzelnen Körperteile. Die Qualität und das WIE der Bewegungen werden hauptsächlich durch die Lenden- tiefe Becken- und tiefe Rumpfmuskulatur gesteuert. Schulterblätter Brustkorb und Becken arbeiten dabei zusammen. Und, was ganz wichtig ist, der Atemrythmus passt sich nur diesem Zusammenspiel des ganzen Körpers an. Tiefenmuskulatur – die Impulse sendet, kann entstehen und auf dieser Basis auch die richtige Oberflächenmuskulatur – eine, die Kraft transportieren kann. Die „Qualität“ und das „wie“ der Bewegungen sind entscheidend!


Die Bedeutung für das Pferd

Für das Pferd bedeutet das Bewegungslernen, dass es sich mit der Ruhe und Gelassenheit entwickeln kann, die dem Pferd einerseits Selbstständigkeit ohne Angst und Druck ermöglicht, andererseits aber klare Grenzen setzt, wo es notwendig ist. Es braucht keine fördernden Stimulationen, keine Trainingsprogramme, keine Hilfsmittel. Es bedeutet für das Pferd eine Bewegung so lange ausprobieren zu dürfen, bis es sich selbst etwas Neues zutraut. Manchmal braucht es eine erhebliche längere Zeit, als wir ihm bisher zugestanden haben, aber auf diese Weise lernt es sich selbstständig zu bewegen, und erfährt seine Fähigkeiten, aber auch die Grenzen seiner Möglichkeiten. Es lernt SEINE Bewegung. Das Pferd lernt im Laufe des BewegungsLernens seine Bewegung selbstständig weiter zu entwickeln, mit seinem Körper neue Bewegungsvariationen auszuprobieren und mit sich selber zu experimentieren. Es lernt die Freude und die Zufriedenheit an der Bewegung und das bildet die beste Grundlage für seinen Körperausdruck und seine Pferdepersönlichkeit. Für das Pferd bedeutet das Bewegungslernen, dass es sich mit der Ruhe und Gelassenheit  entwickeln kann!


Das freie Spiel des Körpers

Bei aller Wichtigkeit der ausgelösten Primitivreflexe darf aber nicht vergessen werden, dass das Pferd die neuen Impulse so oft wie möglich in alle Möglichkeiten der Bewegung übertragen muss. Je variantenreicher die Bewegungsmöglichkeiten sind, um so koordinierter und geschmeidiger wird sich das Pferd bewegen können.Dazu eignet sich hervorragend das Reiten vom Boden oder, nachdem Tragemuskulatur und Wirbelkettenmuskulatur entwickelt ist, eben auch das Reiten vom Sattel aus, bei dem das Pferd „gerahmt“ wird. Beim gerahmt gerittenen Pferd kann man erfolgreich die vorher entwickelten Aktivitäten aufgreifen, die die Bewegungen in die gewünschte „Rille“ modifizieren und so immer wieder die nächste angestrebte Entwicklungsstufe erreichen kann. Damit kann das Pferd seine nächsten Entwicklungsschritte selbst erarbeiten, oder besser gesagt, unter dem Reiter erspielen. An dieser Stelle kann dann ein sehr guter Reitunterricht, der die Zeit lassende Einstellung gegenüber der Entwicklung des Pferdes aufgreift, die Anlagen von Pferd und Mensch weiter fördern. Gerne können wir Ihnen Empfehlungen geben. Beim Reiten können Pferd und Mensch die Vielfalt dessen zeigen, was sie gleichzeitig mit der schönen, gut koordinierten Bewegung an Ausdauer, Wachheit und Lust am Experimentieren entwickeln konnten. All das spiegelt sich im freien Spiel des Reitens wieder. Je variantenreicher die Bewegungsmöglichkeiten sind, um so koordinierter und geschmeidiger wird sich das Pferd bewegen können.


Der Schwerpunkt entscheidet über alles

Bei über 90 Prozent der Pferde ist die Schwerpunktlinie zu weit nach vorne verlagert (durch Dehnungshaltung, Unbeweglichkeit der Wirbelkette, zu frühes Gebisslos-Reiten, fehlendes Ausbalancieren in den Gelenken etc.). Die Folge: das Pferd muss sich weiter hinten stabilisieren – die Beweglichkeit zwischen dem 6. Lendenwirbel und dem Kreuzbein ist stark eingeschränkt. Von dieser Beweglichkeit der Lendenregion, also von entscheidenden Bereichen, hängt aber die „Führung“ der Wirbelkette ab. Eine selbstständig erzeugte Aufrichtung kann nicht mehr erfolgen. Um auf dem nach vorne verlagerten Schwerpunkt des Pferdes bequem reiten zu können, hat der Reiter drei Möglichkeiten:

  • Den Kopf/Hals des Pferdes manuell nach oben zu holen, um den Schwerpunkt zu verlagern. Reitersprachlich: das Pferd ins Gleichgewicht bringen. Der Muskeltonus läuft auf Maximum, die Halswirbelkette wird an der Halsbasis instabil und das Brustbein drückt sich runter. Durch die verkürzte Oberlinie und den erhöhten Muskeltonus sind die Rippen festgehalten und behindern die Atmung (schlecht – da die Wirbelkette im Lendenbereich immer noch stabilisiert ist)
  • Den nach vorne verlagerten Schwerpunkt des Pferdes vorne entlassen (Dehnungshaltung, Vorwärts-Abwärts, im falschen Moment nachgebende Hand) und den Belastungspunkt des Reiters nach hinten setzen um die Bewegung auf dem Pferd für den Reiter angenehmer zu machen (schlecht – da die Wirbelkette im Lendenbereich immer noch stabilisiert ist). Durch den minimalen Muskeltonus (Erschlaffung) werden die Rippen gedehnt und unbeweglich. Die Atmung wird behindert. Der Reiter sitzt mit seinem Gewicht auf dem instabilsten Wirbelbereich. Mittlerweile haben sich die Sättel an diesen Sitz angepasst und ihren Schwerpunkt nach hinten verlagert (Tiefsitzer-Sattel – Steigbügel zu weit nach vorne). Dem Reiter wird jede Möglichkeit genommen, in die Bewegung des Pferdes einzugehen.

Oder eben durch das BewegungsLernen das Pferd in seinen Gelenken so auszubalancieren, das der Schwerpunkt sich in einem bewegungsmechanischen Prozess  in den Rumpf nach hinten verlagert. So kann der Reiter in der Schwerpunktlinie des Pferdes Platz nehmen und mit seinem Körper in seiner Schwerpunktlinie (Reiterrückenseminar) die gemeinsame Bewegung in der gemeinsamen Schwerpunktlinie suchen. Das Pferd kann trotz und mit dem Menschen seinen Körper als Ganzes frei beweglich nutzen. Und der Mensch wird für das Pferd eine angenehme Last.

 Die Atmung fördern!


Die Ausstattung des Pferdes

Die Bewegungen des Pferdes in seiner Gesamtheit werden hauptsächlich durch die Lenden- und tiefe Beckenmuskulatur gesteuert. Insbesondere im Bereich der Lendenwirbelkette funktionieren die Bänder als eine Art Getriebe, welches die Wirbel exakt koordiniert. Die Muskeln reichen, über gemeinsame Verbindungen und Beziehungen über den Rücken bis in den Hals und Kopf und bis hinunter zu den Beinen. Pferde gehen, rennen und springen mit der aus dem Lendenbereich kommenden Kraft. Nicht umsonst sagt man, dass Kraft und Lebensfreude aus dem Becken kommen. Der Körper des Pferdes ist so ausgestattet, dass er auch die kompliziertesten Bewegungsmuster ausführen und auch große Last tragen kann. Allerdings muss sich der Schwerpunkt des Pferdes verschieben können. Für den Körper gilt: Je schwerer eine Last oder je schneller die Bewegung ist, desto näher muss der Schwerpunkt zum Zentrum geführt werden können. Das heißt, das Pferd wird den Kopf heben um den Schwerpunkt zum Zentrum nehmen können. Die über dieses „Tragesystem“ erzeugte Eigendynamik bringt die richtige Körperorganisation bis hinunter in das richtige Auffußen der Hufe. Ohne Geschmeidigkeit, Reagierbarkeit und seine ausbalancierten Gelenke muss sich der Körper kräftezehrend stabilisieren – Stabilität macht unbeweglich – der Körper ist im Haltesystem. Werden einzelne Körperteile durch diese Spannung fixiert, wird das freie Spiel des ganzen Körpers eingeschränkt. Es werden bewusst oder unbewusst Konflikte=Verspannungen im Körper des Pferdes erzeugt. Auch wenn nur ein Teil verspannt ist, ist die ganze Funktionsfähigkeit in Frage gestellt. Spannung ist ansteckend und überzieht bald den ganzen Körper. In dem Glauben durch vorgefertigte Bewegungsentwicklungen (Reitlehren, Reitmethoden) das Pferd auszubilden, werden die Probleme im Körper verstärkt und so in den Körper manifestiert. Durch das Gewicht des Reiters auf seinem Rücken, kann sich das Pferd nicht damit beschäftigen, sich selber auszubalancieren. Lange versucht sich der Körper mit den verspannenden Bewegungen zu arrangieren. Ein aufmerksamer Beobachter könnte eine Veränderung im Verhalten feststellen. Doch irgendwann ist die Toleranzgrenze erreicht. An der individuellen Sollbruchstelle tauchen die Folgen der falschen Belastung auf. Die medizinische Versorgung behebt den Schaden, aber nicht die Ursache. Der Körper des Pferdes ist so ausgestattet, dass er auch die kompliziertesten Bewegungsmuster ausführen kann


Dagegen die konventionelle Ausbildung

Bei der konventionellen Ausbildung (Longentraining, Reitlehren, Bodenarbeit) bringt man den Körper des Pferdes für eine gewisse Zeit in eine, von der jeweiligen Reitmethode bestimmte Position. In dieser Position muss das Pferd möglichst gleichförmige, gleichmäßige, „taktreine“ Bewegungen ausführen. Schiefen und Unbalancen werden in Kauf genommen, nicht beachtet oder sogar bewusst gefördert. Die „Entspannungstheorie“ verschiebt den Schwerpunkt des Pferdes dabei nach vorne und die Halsbasis wird geschwächt.  Der Schwerpunkt des Menschen muss dabei zwangsläufig nach hinten rutschen um die Stabilisierung( und dadurch leider Unbeweglichkeit) des Pferdes aufrecht zu erhalten. Von einem Reiten in den Gleichgewichten kann dabei nicht mehr die Rede sein. In einem verzogenen Rahmen passt gar nichts. Die körperlichen Grundvoraussetzungen müssen stimmen. Bei der Ausbildung darf es auf gar keinen Fall nur um ein mechanisches Ideal von Körperbewegung, Muskulatur und Skelett gehen. Eine Abhängigkeit des Pferdekörpers – von was auch immer – erzeugt Spannung. Diese Abhängigkeit wird immer und immer auch das Reiten prägen. 
Die Kopf/Halshaltung des Pferdes darf nicht seine Körperbewegungen beeinflussen, denn der frei getragene Kopf – ist die Unabhängigkeit des Pferdes. Die erste und vornehmste Aufgabe des Menschen muss es sein, zusammen mit dem Pferd auf die gemeinsame Suche nach dem Schwerpunkt zu gehen und es zu unterstützen, damit es den unausweichlichen Kräften die auf seinen Körper einwirken begegnen kann. Je weiter der Körper von der Schwerpunktlinie entfernt ist, desto mehr versucht der Körper durch Muskelkraft zu erzielen, was der Körper sonst geschmeidig und intuitiv erreicht. Mit einer anderen kräftezehrenden Art des Ausgleichs versucht der Körper die Konstruktion als Ganzes ins Lot zu bringen.
Die körperlichen Grundvorrausetzungen müssen stimmen!


Wenn der Mensch das Pferd in dieser Phase mit seinem Gewicht zusätzlich belastet, ist der Pferdekörper damit vorrangig beschäftigt der Kräfteeinwirkung von außen (Menschen) entgegenzuwirken. Er vernachlässigt seinen eigenen Ausgleich und stabilisiert sich gegen die Gewichtskräfte von außen. Bewegt sich ein Teil von der Schwerpunktachse weg –  bewirkt dies das Stabilisieren der gegenüberliegenden Seite. Ist die rechte Beckenseite fest, und kann sich nicht zum Schwerpunkt bewegen, muss das linke Schulterblatt dagegenhalten, damit sich die Gelenke ausbalancieren können. Die Gliedmaßen sind nur damit beschäftigt, sich entgegen zu spannen. Und der ganze Körper ist nur damit beschäftigt, sich gegen den Reiter zu „schützen“. Ungleichgewichte bleiben erhalten. Für den Körper entsteht ein Zustand des Desorientiertseins, mit der Folge von Belastungen. Manche versuchen die Bewegungen des Pferdes durch das Reiten zu entwickeln. Das ist genauso, als wenn sie versuchen würden, einem Kind das noch nicht krabbeln kann, das Laufen beizubringen. Sie überspringen dabei ganz wichtige Bewegungsentwicklungsstufen des Körpers. Bewegt sich ein Teil von der Schwerpunktachse weg –  bewirkt dies das Stabilisieren der gegenüberliegenden Seite.


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Der Reiter – Definition und Rolle

Es gehört mittlerweile zu den Gewohnheiten unseres Alltags, die Befindlichkeiten unseres Körpers nicht mehr wahrzunehmen. Wir haben uns schlichtweg daran gewöhnt, uns und unseren Organismus nicht mehr zu empfinden. Pferde dagegen sind brillant darin, die kleinsten unserer Bewegungen wahrzunehmen. Als Herdentier liegt es in ihren Genen anzunehmen, dass jede Bewegung des Menschen eine Bedeutung hat. Pferde erkennen Menschen an der Bewegungsqualität des Gangs. Die Aufrichtung und die Mimik verraten dem Pferd auch über den emotionalen Zustand des Menschen. Sie haben ein feines Gespür für Echtheit und Authentizität ihres Gegenübers und fühlen genau, wenn Worte und Gefühle oder Gesten und das „Dahinter“ nicht stimmen. Pferde nehmen den Menschen immer als „Gesamtzustand“ wahr. Und es vermittelt sich dem Pferd um so deutlicher je „geschlossener“ also im Schwerpunkt der Eindruck des Menschen ist. Die Art und Weise, wie ein Mensch steht und wie er sich bewegt spricht deshalb Bände für ein Pferd. Deshalb beeinflusst der Mensch ein Pferd, ohne es vielleicht bewusst auszubilden. Allein wie der Mensch neben einem Pferd hergeht, hat Einfluss auf die Bewegungen des Pferdes. Diese feine Wahrnehmung des Pferdes nutzen wir beim BewegungsLernen in der Zusammenarbeit mit dem Menschen. ( Im 3-Tagesseminar durchzieht das Ausdrucks-Verbessern wie ein roter Faden das Seminar) Die Aufrichtung und die Mimik verraten dem Pferd über den emotionalen Zustand des Menschen!


Das Wesen des Reitens ist nicht, auf dem Pferd schön zu tun, und das egal wie – nur um etwas darzustellen. Das Wesen des Reitens ist die Entwicklung und die Förderung der Bewegungen des Pferdes.

Den tiefgehendsten Einfluss auf das Pferd hat allerdings immer noch der Reiter auf dem Pferd – die Rolle des Reiters ist deshalb einfach erklärbar – Das Ziel jeden Reiters sollte es sein, dem Pferd seine Bewegungen zu erleichtern und ihm seine Last angenehm zu machen. Der Reiter muss dazu in seiner Körpermitte ruhen, damit das Pferd keine Angst hat seinen Rücken zu benutzen, weil der Reiter mit seinem Kreuz nicht schiebt, drückt oder ähnliches macht. Aber allein das Denken an eine „Gebrauchsanweisung“ würde den Körper versteifen. Leider steht den meisten Reitern ihre eigene Bewegungsbiografie im Weg, um zu einem tätigen Rücken zu kommen, der Armen und Beinen die Aktivität abnimmt. Jede Bewegung des Pferdes bringt natürlich auch eine Belastungsveränderung mit sich. Die reiterliche Last des Menschen kann das Pferd auf Dauer nur verkraften, wenn sich der Mensch, statt zu stören, so fein und exakt wie möglich in die Bewegungsmechanik des Pferdes einfügt. Jedes Überlegen, jedes Festhalten bringt den Reiter unweigerlich „hinter die Bewegung“. Die Aufgabe des Reiters ist anfangs das Pferd so wenig wie möglich zu stören. Je mehr wir das Pferd in seinem Bewegungsverhalten verändern, je geschmeidiger das Pferd wird, desto perfekter sollte sich unser Körper auf das Spiel der gegenseitigen Balancen einlassen können. Eine schwere Aufgabe für den Reiter – denn sobald er auf das Pferd steigt, gibt er jegliche stabilisierende Wirkung des Erdbodens auf – er ist allein auf sein Gleichgewicht, und auf das perfekte Zusammenspiel seines Körpers angewiesen. Ihr Körper kann lernen, wie er sich intuitiv in die richtige Position begeben kann!


In diesem Moment muss der Reiter die Kontrolle über seinen Körper aufgeben – und damit können wir einen Vorgang beobachten, der zwar rein menschlich ist, aber das Pferd dauerhaft schädigt –„der Mensch hält sich fest“. Um den Kontrollverlust auszugleichen sucht der Körper verzweifelt nach Stabilisierungspunkten. Er findet sie in den Zügeln und in seinem Gesäß. Für das Pferd ist es wichtig, wie das Gewicht des Reiters auf seinem Körper verteilt ist. Ist der Schwerpunkt des Pferdes zu weit vorne, wird es den Reiter automatisch weiter nach hinten setzen – eine „natürliche“ Maßnahme um sich gegen das falsch plazierte Gewicht zu stabilisieren. Dabei sitzt der Reiter viel zu weit hinten auf dem Pferderücken, auf einem Teil der Wirbelsäule, die keine Unterstützung des Rippenkorbes mehr hat. Die Lendenwirbel sind vollständig von Muskeln und Bindegewebe abhängig. Wenn der Sattel und das Gewicht des Reiters auf diesem Teil des Rückens seinen Schwerpunkt hat ( wie heute allgemein üblich durch die Tiefsitzersättel und den unbeweglichen Lendenbereich des Menschen) nimmt das Verhängnis seinen Lauf – für die tiefe Muskulatur des Rückens ist es fast unmöglich, sich ungestört zu bewegen. Der ganze Mechanismus des Rückens wird behindert. Reiten bedeutet: eine Kontrolle aufgeben und auf sich und seinen Körper zu vertrauen, damit er sich dem Pferd hingeben kann. Reiten hat nichts mit einem „Sitz“ einnehmen zu tun. Reiten ist keine Sitzschulung und kein Durchführen einer Reitlehre. Reiten ist das ewige Spiel des Körpers – die Balance, die zwischen den Brustwirbeln und den Lendenwirbeln entsteht. Dieses Finden der Schwerpunktlinie muss intuitiv vom Körper geschehen, denn wird der Reiter ganz plötzlich darin gestört (was auf dem Pferd laufend passiert) gerät sein Gleichgewicht in Gefahr. Das Pferd wird dann durch Gegenmaßnahmen seines Körpers auf die Störung der Schwerpunktlinie reagieren – es wird sich dagegen spannen und irgendwann die Bedrohung seines Gleichgewichtes und seines Rhythmus mit Widerstand entgegnen. Ein reagierbereites Verhalten durch einen beweglichen, verbundenen Körper ist in allen Situationen mit dem Pferd stets besser und angemessener als alle Konzepte, die nur ein geplantes Handeln ermöglichen. Es kann ein Prozess in ihrem Körper beginnen, für den wir im Reiterrückenseminar den Startschuss geben. Ihr Körper wird so miteinander verbunden, dass er intuitiv seine Körpermitte finden kann. Reiten bedeutet: eine Kontrolle aufgeben und auf sich und seinen Körper zu vertrauen, damit er sich dem Pferd hingeben kann.


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Wahrnehmung und Wirkung der Primitivreflexe

Wenn das Pferd auf die Welt kommt, ist es erst mal völlig hilflos. Wenn da nicht die Primitivreflexe wären, die dem jungen Lebewesen die ersten Bewegungen beibringen. Später werden sie dann durch das spielerische Erlernen von Bewegungen abgelöst. Sie prägen die Funktionsweise des Reagierens und die Entwicklung von Bewegungen. Beobachten wir ein Fohlen in seinem Tun, so ist es pausenlos damit beschäftigt, die Welt zu erkunden, sich zu erfahren, seine Bewegungen zu verbessern, seine Ausdrucksmöglichkeiten zu erproben und Schritt für Schritt alle die Bewegungen zu entwickeln, die es braucht. Sie ist der von der Natur vorgesehene Schlüssel zum Erschließen der eigenen Fähigkeiten. Und die Primitivreflexe sind das Werkzeug dazu. In einem nie endenden Spiel mit Gleichaltrigen erlernt das junge Pferd, was es später unverwechselbar und einmalig macht – die Anlagen für seine Bewegungen. Während das Fohlen, äußerlich betrachtet, nur spielt, geschieht in seinem Inneren etwas schier Unglaubliches: alle neuronalen Verbindungen, die zum Bewegen notwendig sind, werden mit dem Auslösen der Primitivreflexe geknüpft. Das Fohlen beginnt das erste Mal in seinem Leben mit seinem Schwerpunkt zu spielen – sein Körper wurde ja durch die Primitivreflexe darauf vorbereitet. Und auch wenn sich der Körper an diese ersten Bewegungen später nicht mehr „erinnern“ kann, so bleiben sie doch stets abrufbar. In einem nie endenden Spiel mit Gleichaltrigen erlernt das junge Pferd, was es später unverwechselbar und einmalig macht – die Anlagen für seine Bewegungen.


Mit seinem Spiel mit dem Schwerpunkt startet das junge Pferd noch ein anderes Experiment: die Erfahrung von Raum und das Begreifen räumlicher Tiefe. Es lernt, wenn es seinen Schwerpunkt in seinen Rumpf verlagert, dass sein Körper mehr Energie erhält, und der Körper ökonomischer läuft. Beobachten können wir das in den kadenzierten Gängen und Sprüngen der Junghengste. Die räumliche Begrenzung – die Sammlung des Körpers führt zu einem dosierten Energieeinsatz. Das ist die Tiefensensibilität des Körpers, besser bekannt als der sechste Sinn – eine beim Pferd oft unterschätzte Ortung des Körpers um den Bewegungsrhythmus mit dem geringsten Energieeinsatz abzustimmen. Der Bewegungsmechanismus wird aus einer Kombination von Reflexen gebildet. Die ersten Reflexe – die Primitivreflexe erzeugen das Leben, ohne sie wäre das Neugeborene vollkommen leb- und hilflos. Diese nicht erlernten, vollkommen unbewussten Muster sind die Vorbereitung auf das spätere Erlernen von Bewegungen. So lässt ein Primitivreflex zahllose erlernte Handlungen entstehen. Die angeborenen Muster der Primitivreflexe sind die Grundlage für ein gemeinsames, unfehlbares Ziel – der Körperorganisation Impulse zu geben, die nur vom Körper selber verstanden werden. Laufen die Primitivreflexe gemeinsam und verbunden ab, entsteht eine größere Wirkung, als wenn ein Reflex allein ausgelöst wird. Vor allem mit dem Speichelflussreflexe, der die Maulfixierung aufhebt. Ein ausgelöster Primitivreflex  „verfällt“, durch Nichtgebrauch, kann aber schneller wieder reaktivert werden, als wenn er vorher nicht ausgelöst worden wäre. Ausgelöste Primitivreflexe arbeiten ohne „Ermüdungserscheinungen“ zusammen. Die willentlichen erlernten Handlungen dagegen sind extrem Stör- und Gewohnheitsanfällig. Experiment: die Erfahrung von Raum und das Begreifen räumlicher Tiefe!


Alles was ein Pferd mit Gleichaltrigen lernen würde…

Für das Pferd als Herdentier ist es völlig unnatürlich, allein ohne Herde zu sein, wir, der Mensch ersetzt die Herde. Deshalb nutzen wir im Bewegungslernen das, was auch die Natur als wichtigstes erachtet hat, und mit den Werkzeugen und dem Schlüssel der Natur schulen wir das, was das Fohlen beim Spielen erlernt – das Ausbalancieren in den Gelenken, damit das „Ganze“, das Gleichgewicht  zwischen Schulterblätter und Becken erzeugen kann. Verschiedene Faktoren müssen zusammentreffen, damit das im Körper passiert was das Fohlen schon beim Spielen ausprobiert hat, und bei allen Faktoren können Sie ihrem Pferd helfen. Je mehr Erfahrungen und Stimulationen das Pferd dazu bekommt um so leichter kann sich der Schwerpunkt Richtung Körpermitte verlagern. Da entscheidet sich ob das Pferd Tragemuskulatur aufbauen kann, ob seine Schulterblätter beweglich sind und ob vom Becken der entscheidende Antrieb kommt. Nur wenn die Schulter und das Becken miteinander agieren können,dann ist das Nackenband frei beweglich – und damit kann sich der Oberkörper des Pferdes, also Kopf und Hals frei aufrichten. Darin erkennen wir so etwas wie die Bedienungsanleitung seines Organismus. Das Erlernen von Bewegungen ist auf körperliche Neugier und Probieren angewiesen, die sich im „sicheren Rahmen“ der Tiefensensibilität ungehindert entfalten können. Auch „Stolpern“ und die Fähigkeit aus „Fehlern“ zu lernen, die Voraussetzungen für ein Lernen sind, gehören dazu. Hier entscheidet sich ob das Pferd Tragemuskulatur aufbauen kann, ob seine Schulterblätter beweglich sind und ob vom Becken der entscheidende Antrieb kommt.


…und was das Gebiss damit zu tun hat

Über den richtigen Gebrauch des Gebisses scheiden sich die Geister. Manchmal sind Reitweisen so auf ihre Interpretation versteift, das sie den eigentlichen Sinn des Gebisses aus den Augen verlieren. Nein, der Sinn eines Gebisses liegt nicht darin, über das Maul zu herrschen. Auch ein Ziehen im Sinne eines Fahrradlenkers verfehlt absolut den Sinn. Ohne Gebiss (dünn- einfach gebrochen – frei beweglich mit den Ringen) fühlt sich das Pferd ziemlich allein gelassen. Das Gebiss (bitte immer und immer ohne zu ziehen) rahmt das Pferd. Es gibt dem Pferd „Spürung“ .Die Aufgabe der Reiterhand in Zusammenhang mit dem Gebiss ist die Herstellung der Tiefensensibilität des Pferdes. Die Nervenreflexketten, die vom Maul bis zum Becken verlaufen, bestimmen den Tonus der Muskulatur – die Kopfhaltung und die Körperaufrichtung. Da der visuelle Sinn beim Pferd nicht die Bedeutung wie beim Menschen hat, ist die Tiefensensibilität beim Pferd, für die Raumerfahrung besonders ausgeprägt. Damit wird Körperhaltung und der muskuläre Krafteinsatz bestimmt. Das geschieht über das Maul. Das ist der berühmte sechste Sinn – der Bewegungssinn. Man spricht auch vom Körperwahrnehmungssinn.Die Informationen des Maules werden an das Kontrollzentrum für Motorik und Muskeltonus im Gehirn weitergeleitet. Durch das Gleichgewichtsorgan und das Rückenmark, wird die für das Gleichgewicht nötige Muskelspannung ausgelöst. Die negativen Auswirkungen beim Pferd zeigen sich in einem veränderten Körperschwerpunkt – der aus der  Rumpfmitte nach vorne in den Kopf und Hals gewandert ist. Der Mensch versucht ihn mit Mechanik – mit Zügeln und Gebissen „einzufangen“. Dass das nicht funktionieren kann erscheint logisch, und die eigentliche Sicherheit gebende Wirkung des Gebisses hat sich in eine bremsende, verhaltende, blockierende, ja, in ein Zwangsmittel gewandelt. Das Gebiss gehört dem Pferd und nicht dem Reiter!


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Wie Sie selber die Primitivreflexe auslösen können

Die Handlings der Primitivreflexe

Unabhängig von ihren reiterlichen Fähigkeiten können Sie bei ihrem Pferd die natürlichen und organischen Bewegungsanlagen weiter entwickeln und fördern. Mit den einfachen Körperaufgaben können Sie die Bewegungen Ihres Pferdes entwickeln. Die Primitivreflexe nehmen alles für Sie ab – denn sie passen genau auf den einzelnen Körper. Das macht es für Sie leicht, sie auszulösen. Und da die Natur der Primitivreflexe eher grobmotorisch ist, können Sie dabei nichts verkehrt machen. Mit den Primitivreflexen entwickeln Sie das Körperbewusstsein Ihres Pferdes, mit dem es wacher und gelassener wird. Gelassen ist es aber nicht vor lauter Schlaffheit und wacher nicht, weil es erregt, überreizt oder aufgedreht ist. Diese Art von Gelassenheit entsteht, weil es selbstsicherer und selbstständiger in seinem Bewegungsmechanismus geworden ist. Die Natur der Primitivreflexe!


 

Das Pferd „rahmen“

Das Bewegungsverhalten von Pferden kann man nur verändern, indem sich der Raum in dem sie sich bewegen, verkleinert. Durch die „Raumverkleinerung“ dem Pferd einen „Rahmen“ geben, wird der sechste Körpersinn – die Tiefensensibilität ausgelöst. Die Tiefensensibilität setzt nervale Reaktionsketten, wie Wahrnehmung, Verarbeitung, Deutung und Steuerung des Körpers in Gang, die wir mit den ausgelösten Primitivreflexen verbinden. Das tun Sie, indem Sie ihm den Weg nach vorne durch ein visuelles Signal begrenzen. Nach vorne würde das Pferd die gewohnte Bewegung über ein Festhalten seines Maules erzeugen. (siehe Maulfixierung, Stop and Go und „die stehende Hand“). Wir führen damit die Bewegung des Pferdes von vorne zurück in den Körper. Das ist der Beginn der zukünftigen Schwerpunktverlagerung. Das visuelle Signal mit der Fokussiergerte hat damit einen tiefgehenden Einfluss auf die zukünftigen Bewegungen des Pferdes. Man könnte die Aufgabe des Menschen fast mit dem Job des Tormannes beim Fußball vergleichen, der auch nur einen bestimmten Raum (das Tor) kontrollieren muss und nicht das vergleichsweise aufwendigere, Verhalten des Balles. Ähnlich geht es dem Menschen – um die Kontrollfunktion auf den ganzen Pferdekörper aufgeben zu können, „kontrollieren“ wir lieber den Raum um das Pferd herum. Das Pferd fühlt sich in diesem „Rahmen“ sicher, und wir können gelassen die weiteren Schritte einleiten, und aufhören, im Maul zu korrigieren (erzeugt Maulfixierung). Wir führen damit die Bewegung des Pferdes von vorne zurück in den Körper.


Das Differenzieren  ist eine spontane, selbständig ausgeübte Aktivität

Das Differenzieren ersetzt dem Pferd das Ausprobieren seines Körpers im Herdenverband. Beim Differenzieren muss das Pferd selbstständig seine Aufgaben in den verschiedensten Bewegungsvariationen erfüllen, wir geben ihm dazu Zeit. Es kann beim Differenzieren selber vergleichen, untersuchen und unterscheiden. Damit kann es sowohl die einzelne als auch die gesamte Bewegung differenzieren. Die Zeit, die wir dem Pferd beim Differenzieren zugestehen, erscheint am Anfang ungewöhnlich lang, und doch ist sie kurz im Vergleich zu der Zeit, die wir aufwenden müssen, wenn wir etwas gegen den Willen des Pferdes erreichen würden. Das Pferd kann beim Differenzieren selber vergleichen, untersuchen und unterscheiden.


Durch das Fokussieren empfindet das Pferd seine differenzierte Muskelaktivität und eine koordinierende Wahrnehmung.

Die geringste Lageveränderung stellt für das neugeborene Fohlen eine Gleichgewichtsaufgabe dar. Daher übt es sein Gleichgewicht lange in allen neuen Positionen, anfangs nur selten und vorsichtig, allmählich immer häufiger, und erst, wenn es sich darin sicher und beweglich fühlt, spielt er auch mit seinem Körper in dieser Position. Das Fohlen erreicht diese Sicherheit umso leichter, je ungestörter er sich in allen Übergangsstadien bewegen kann. Wir erreichen das über das Fokussieren. Das Fohlen übt es sein Gleichgewicht lange in allen neuen Positionen!


Richtungswechsel/ Koordinationskreise

Das Pferd eignet sich die Körperposition im Richtungswechsel aus eigener Initiative und durch selbständige Versuche an. Es nutzt die ganze Körpermuskulatur ohne krampfhafte Versteifung und mit dem besten Gleichgewicht. Das Pferd korrigiert sich nicht mit einer fehlerhaft erlernten Position und während einer falschen Bewegung, sondern sucht mit Hilfe des Wirbelkettenreflexes und des Nackenreflexes in den neuen Positionen sein Gleichgewicht. Es entstehen koordinierende Bewegungen auf der Grundlage der vorbereiteten Bewegungen. Man kann beobachten wie das Pferd immer geschickter und geschmeidiger wird. Durch die Richtungsänderungen bringen wir das Pferd in eine Situation, die es als Fohlen tausendmal geübt hat. Es lernt intuitiv auf unerwartete Bewegungen zu reagieren, und seinen Gliedmaßen einen neuen Bewegungsanreiz zu geben. Die Abhängigkeit des Pferdes vom Menschen während der Bewegung nimmt im Laufe der Entwicklung ab. Je entwickelter das Pferd ist, desto größer wird sein Bedürfnis nach Aktivität sein und desto leichter und sicherer bewegt es sich an unserer Hand. Es entstehen Bewegungen im Gleichgewicht.


Die stehende Hand

Die zunehmende Sicherheit des Pferdes bedeutet nicht, dass der Mensch nicht mehr notwendig ist. Das Pferd ist zwar zum Erlernen einer neuen Gleichgewichtsstufe auf den Menschen nicht direkt angewiesen, weil die Initiative selbständig vom Pferd kommen muss. Aber das Pferd will sich seine Sicherheit immer wieder an der Hand des Menschen versichern. Ist die Hand für das Pferd nicht erreichbar, wird er unter Umständen für einen neuen Bewegungsversuch entmutigt. Diese „Hilfe“ der Hand – das bloße dastehen, unterscheidet sich aber sehr von der eingreifenden, vielleicht nach hinten ziehenden Hand, die die Maulfixierung erzeugt. Wichtig ist, dass die Stehende Hand nicht durch Aktivität begrenzt, sondern dem Pferd einen spürenden Widerstand darstellt, um sich im Raum besser wahr zu nehmen (Tiefensensibilität). Das Pferd will sich seine Sicherheit immer wieder an der Hand des Menschen versichern.


Stop and go

Das stop and go ist die erste Hilfeleistung zur selbstständigen Bewegung. Das stop beendet eine angefangene Bewegung. Das Gehirn registriert das und muss mit dem Impuls einer neuen Bewegung reagieren. Wir geben Hilfeleistung mit dem Differenzieren (Becken, Becken, Becken) und haben so einen kleinen Impuls zu einer Bewegungsänderung herbeigeführt. Wichtig ist das die Pferde die neue Bewegungsform aus eigener Initiative und selbstständig immer wieder ausführen. Das hat im Vergleich zu den ständigen Wiederholungen von Lektionen den Vorteil, dass es nicht krampfhaft geschieht, sondern mit Muskelkoordination und einer Grundposition. Nur so werden freie Bewegungen ein organischer Bestandteil der täglichen Aktivität. Wichtig ist, dass die Pferde die neue Bewegungsform aus „eigener Initiative“ und „selbstständig“ immer wieder ausführen.


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Konsequenzen zu Ende denken

Die Gefühle des Pferdes sehen wir in seinen Muskeln

Das Reiten wird von den körperlichen Zuständen des Menschen und des Pferdes bestimmt. In der Reiterei dagegen bewertet man meistens nur den kurzfristigen Erfolg und die sofort sichtbaren Veränderungen. Eine Bewegungsentwicklung kann nur ein Prozess sein, der einen anregt in größeren Zeiträumen zu denken. Da bleibt es nicht aus, dass man auch über die Konsequenzen und Folgen seiner eigenen Bewegungsbiografie nach denkt. Menschen reagieren da häufig sehr differenziert und hoch sensitiv – leider eher in Bezug auf andere, als auf sich selbst oder auf Änderungen ihrer Reitweise.Der Mangel an Vorbereitung zeigt sich im Maul des Pferdes  – es kann nicht auf „Hilfen“ reagieren und versucht Kopf und Hals freizubekommen, um sich damit auszubalancieren. So sieht man viele gerittene, und trotzdem in Ihren Bewegungen nicht entwickelte Pferde. Die Spannung die das Pferd in seinem Maul zeigt, hat jedoch nicht die Ursache im Maul – es ist eine Folge mangelnder Vorbereitung seines Körpers– das Pferd wird quasi mit dem Reiter überfallen und ist nicht imstande, seine Gleichgewichte schnell zu verlagern. Sein Körper bekommt keine Zeit, um einen neuen Bewegungsmechanismus zu integrieren, der den Reiter – also die fremde Last mit einschließt. Eine Bewegungsentwicklung kann nur ein Prozess sein, der einen anregt in größeren Zeiträumen zu denken!
Ich schließe mich nicht der Meinung von manchen Experten an, die behaupten, der Körper und speziell der Rücken des Pferdes wären nicht dazu geeignet Lasten zu tragen. Wie hätten z.B. die mongolischen Kriegspferde tausende von Kilometer unter ihren Reitern zurücklegen können. Es ist ein zu skurriler Gedanke, zu glauben dass am Abend nach einer Schlacht das therapeutische Gerangel von Osteopathen und Chiropraktikern um die Pferde angefangen hat – so wie bei unseren Freizeitpferde die maximal eine Stunde am Tag „gehen“ oder ihr Leben auf einer Offenstall-Matschkoppel mit zwangsbefreundeten Artgenossen verbringen.Es ist wohl alles eine Frage des Gleichgewichtes – oder besser gesagt nicht des Gleichgewichtes, sondern der Gleichgewichte – der körperlichen, seelischen, das Gleichgewicht der Gelenke, des Reiters – eben dieses Komplettpaket an Gleichgewichten, bei dem der Informationsfluss zwischen Muskeln und Nerven eben nicht gestört wird und damit die Bewegungsfreiheit des gesamten Körpers einschränkt. Pferde lernen schnell – vor allem wenn sie jung sind. Das hat allerdings auch Nachteile, denn Unerwünschtes lernen sie genauso schnell. Sie lernen auch, dass sie vom Menschen manipuliert und kontrolliert werden – von ihrem Herdenersatz, von dem sie Führung anerkennen. Und sie tun es. Sie lassen sich kontrollieren und manipulieren, bis ihr Körper nicht mehr mitmacht. Bis sich der Raubbau rächt, der an seinem Körper verbrochen wurde. Pferde lernen schnell – vor allem wenn sie jung sind. Das hat allerdings auch Nachteile, denn Unerwünschtes lernen sie genauso schnell!
Eigentlich ist es unvermeidlich, dass der Rücken des Pferdes den gleichen Problemen ausgesetzt ist, wie der seines Partners, dem Menschen. Die gesamte Anatomie der menschlichen Wirbelkette wirkt seismografisch genau, direkt auf die des Pferdes ein. Sie überträgt alle Kommandos des Reiters, aber zugleich eben auch alle Steifigkeiten des Reiters. Um dem Pferd sein Leben zu erleichtern, kommt man also nicht ernsthaft um den Menschen drum herum, denn Menschen sind sehr erfindungsreich. Bevor sie bei sich anfangen versuchen die Reiter lieber über monotones Training Kontrolle über den Pferdekörper zu bekommen. Je unsensibler der Menschenkörper ist, desto mehr wird er die Bewegungen des Pferdes kontrollieren müssen – aus der Angst heraus, das Pferd könnte was tun, was der Mensch nicht bewältigen kann. Die Pferde sind dabei so darauf fixiert, nach hinten auf ihren Reiter zu achten, dass sie keine Zeit mehr haben, sich auf die eigene Körperwahrnehmung be“sinnen“ zu können.  Manchmal dauert es lange, bis sich ein Pferd wieder auf seinen Körper konzentrieren kann.Wir lassen uns viel zu gerne von Medien beeinflussen, die uns einreden eine Reitlehre beim unvorbereiteten Pferd durchzuführen, wir lassen uns von Personen beeindrucken, die im Pferd das erzwingen, was es aus einer Freiwilligkeit geben sollte, wir lassen uns von Erfolgen blenden, bei denen es dem Pferd schon lange nicht mehr gut geht, wir halten eisern durch, nicht auf den Körper des Pferdes zu reagieren, obwohl er eigentlich deutlich genug darum bittet und dabei vergessen wir das, was aus dem Pferd ein Pferd macht – seinen Körper. Je unsensibler der Menschenkörper ist, desto mehr wird er die Bewegungen des Pferdes kontrollieren müssen.

Zum Schluss

Zum Schluss habe ich noch eine Überlegung für Sie: Es betrifft die Gemütslage ihres Pferdes. In allen besseren Zoos werden Überlegungen angestellt, um den „eingesperrten“ Tieren eine möglichst artgerechte Haltung, aber ganz wichtig auch eine artgerechte Beschäftigung zu gewährleisten. Man hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Gitterstäbe aufweichen, wenn die Tiere ein spezifisches Beschäftigungsprogramm bekommen, und dadurch die Gemütslage, und damit ihre Anfälligkeit gegen Krankheiten entscheidend verbessert wird. Ich weiß, dass der Mensch die Bedingungen für die Pferdehaltung nicht immer entscheiden kann. Und ich möchte mich der Diskussion enthalten, ob Offenställe die geeignete Haltungsform sind, oder ob wir da in eine falsche Richtung denken. Die perfekte Haltung wird es wahrscheinlich nie geben, doch kann der Mensch die Beschäftigung des Pferdes auf verschiedene Art und Weisen gestalten. Jeder Pferdebesitzer kann zumindest einen Teil der Bedürfnisse seines Pferdes erfüllen, in dem es wenigstens eine Stunde am Tag sein Verhalten ausleben kann, das über das Reiten weit hinaus geht. Anzeichen gibt es dafür viele, dass das Pferd an den immer gleichen Bewegungsabläufen leidet und innerlich verkümmert. Für mich ist es ein Anliegen die Motivation des Pferdes in unserer konfektionierten Pferdehaltung über spezifische Bewegungen zu verbessern, und meine Forschungen gehen in diese Richtung weiter. Es gibt noch viel zu tun….. Für mich ist es ein Anliegen die Motivation des Pferdes in unserer konfektionierten Pferdehaltung über spezifische Bewegungen zu verbessern, und meine Forschungen gehen in diese Richtung weiter. Es gibt noch viel zu tun…..

 

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