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Braucht mein Pferd das BewegungsLernen?

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Braucht mein Pferd das BewegungsLernen?

Wenn das Pferd alle Wirbel der Wirbelkette, also von der Schädelbasis einzeln gelöst und frei bewegen kann – dann nicht.

Dann kann es mit seiner Wirbelkette schwingen und federn.

Dann sind alle Gliedmaßen frei beweglich, es kann sie gleichmäßig belasten und die Gelenke sind unbelastet.

Damit ist sein Selbststabilisierungsmechanismus aufgelöst.

….und dann ist auch die zusätzliche Last des Reiters keine Überbelastung mehr für seinen Rücken.

 

Sonst,

sind die festgehaltenen Bewegungen durch den Selbststabilisierungsmechanismus auf die Dauer gesundheitsschädigend.

und Bewegungen mit der zusätzlichen Last des Reiters sind Killerbewegungen für das Pferd

Warum?

Das Pferd besitzt eine unermessliche Fähigkeit zur Anpassung und zum Ausgleich. Deshalb spüren wir als Reiter oft jahrelang keine Beschwerden bei unseren Pferden, vertrauen auf Reitausbildungen die es körperlich fördern oder geistig beschäftigen sollen.

Meist beachten wir Signale nicht, wie eine Steifheit da und ein „Ungehorsam“ dort. Der Pferdekörper gleicht aus, er bringt sich selber wieder in ein Gleichgewicht. Gleichgewicht bedeutet aber nicht zwingend, das sich das Pferd ausgeglichen bewegen kann – es gleicht sich aus, um bestmöglichst dem Schwerpunktzentrum nahe zu kommen, um stabiler auf die Erdanziehung zu wirken. Es stabilisiert seinen Rücken auch gegen die Last des Reiters. Das ist die Schutzmaßnahme des Selbststabilisierungsmechanismus (Stand-by Modus)

„mein Pferd ist so schön gelaufen, auf einmal geht gar nichts mehr“ oder „die Probleme mit dem Vorderbein hat er schon jahrelang, trotzdem war er auf Turnieren immer erfolgreich“:

In den wenigsten Fällen ist eine einzige Ursache für Beschwerden verantwortlich. Vielmehr bauen sich die Ursachen meist über lange Zeit auf und sind eine Ansammlung von Faktoren, die den Pferdekörper dann schlussendlich be-und überlasten.

Nun müssen wir uns fragen, warum die Vorfahren unserer Pferde weitaus weniger mit den heute weit verbreiteten Problemen im Bewegungsapparat belastet waren. Sie hatten zwar andere Beschwerden  die von großen körperlichen Anstrengungen herreichten, aber nicht die Probleme die wir heute haben, denn die meisten Systeme der heutigen Reiterei forcieren den festgehaltenen Rücken und nicht die ausgleichende Beweglichkeit des Rückens.Vor allem beim jungen Pferd werden Schäden erst im Dauergebrauch sichtbar – die man natürlich nicht mehr auf die falsche oder fehlende Grundausbildung des Körpers zurück führt. Das sind Killerbewegungen.

Killerbewegungen sind Bewegungen, die dem Pferd gesundheitlich auf Dauer schaden.

Wie es kaputt geht….

Killerbewegungen  können durch den Selbststabilisierungsmechanismus,  Fehlregulationen oder durch eine Fehlhaltung entstehen. Oftmals kommt es dabei zu einem Circulus vitiosus. Ein Beispiel sind durch Muskelverspannungen ausgelöste Fehlbewegungen. Diese führen zu einer weiteren Verspannung der Muskulatur und zu weiteren Fehlbewegungen…….

Beweglichen Belastungen zermürben die Wirbelkette nicht, im Gegenteil – Belastungen sind lebenswichtig. Aber – mit nichts kann man ein Pferd so schnell zerstören, wie mit einer untätigen, unbeweglichen Wirbelkette – und oft macht der Reiter nichts anderes. Übrigens – mit der Wirbelkette des Pferdes und auch mit seiner ( lesen sie mehr unter dem Reiter)

Wie wirkt sich der festgehaltene Rücken aus?

LWK Bewegung Kopie

Eine leicht zu beobachtende Auswirkung des festgehaltenen Rückens ist der sogenannte Monroe-Gang.

Um hinten einen größeren Schritt zu machen ( unter zutreten)bewegt das Pferd sein ganzes Becken in die Richtung der vortretenden Beine. Da die Lendenwirbelkette und das Kreuzbein aber stabilisiert sind, wird das Iliosakralgelenk mit der ganzen Schwere der Hinterhand überbelastet. Die Lendenwirbelkette hat mit ihren großen Wirbeln und Bandscheiben nur einen sehr kleinen Bewegungsumfang.

Oder das Pferd führt die Hinterhand quasi am Knie vorbei. Die ganze Belastung des Hinterbeinen bleibt beim überlasteten Kniegelenk.

Mögliche Reaktionen der Reiterhand auf den festgehaltenen Rücken und das feste Maul:

  • Der Reiter nimmt ein anderes, möglicherweise schärferes Gebiss. Resultat beim Pferd: Das Pferd macht sich vielleicht momentan im Maul nicht mehr fest, aber die Verspannung im Genick nimmt damit zu.
  • Der Reiter nimmt ein weicheres Gebiss, z.B. Gummigebiss. Resultat beim Pferd: Das Pferd lernt, seinen Verspannungen durch hektisches Kauen zu entgehen.
  • Der Reiter nimmt einen Sperriemen um das hektische Verspannungskauen zu verhindern- Resultat beim Pferd: Es verspannt nun nicht mehr nur den unteren Kiefer, sondern auch den oberen, da es den unteren nicht mehr öffnen kann. Der gesamte obere Kopfbereich des Pferdes ist sehr stark von Nerven durchzogen, die direkt ins Gehirn gehen. Der Verspannungsdruck  lähmt das Nervenbett, setzt sich im Genick, möglicherweise um die Augenpartie bis in das limbische System (Emotionen) fort.
  • Der Reiter wertet das hektische Kauen als Unwillen auf das Gebiss, und reitet das Pferd gebisslos. Resultat beim Pferd:  Das Pferd geht in eine verspannte Extension (Streckung). Die Bandscheiben werden nicht mehr genügend ernährt –  die Wirbelkörper werden unbeweglich – Die Spannung im Genick und die Gelenkbelastung der Gliedmaßen nimmt zu

Wie oben erwähnt, sind das mögliche Reaktionen des Reiters auf das Maul. Damit ist das ursächliche Problem, nämlich die durch Verspannung festgehaltenen, unbeweglichen Wirbel noch nicht gelöst.

Kraftmuskeln

Das Pferd hält aber nicht nur die Rückenwirbel fest, es hält die Gelenke im gesamten Körper fest. Um die Gelenke vor der ungewohnten Dauerbelastung zu schützen, hat der Körper ein Vorsorgesystem eingerichtet. Er baut in Windeseile neue Muskeln auf – er reagiert mit Kraftmuskeln. Leider kann der Körper nicht zwischen richtiger und falscher Bewegung unterscheiden. So baut er an den falschen Stellen auf.

So „verzieht“  der Körper seine Gelenke durch eine falsche Zugspannung, in eine desolate Haltung, die man mit den üblichen Reitlektionen nicht ausgleichen kann.

Sehen wir uns einige Störungen und Probleme an die entstehen können.

 Genick und Kopf

Stellungen im Genick und im Kopf, verändern die Statik des Pferdes. Auch das war mit ein Grund warum junge Pferde so lange geradeaus geritten wurden, bis die Längsbeweglichkeit hergestellt war und sie „durchlässig“ waren.

Die Halswirbelkette des Pferdes liegt zwischen den Schulterblättern des Pferdes. Der Schulterblätter sind am Brustkorb  aufgehängt. Damit kann das Pferd Erschütterungen besser auffangen. Die Vorhand ist durch Muskelzüge mit dem Kiefer und dem Hüftgelenk  verbunden. Ist das Schultergelenk blockiert, ist auch das Hüftgelenk oder das Kiefergelenk blockiert. Umso wichtiger ist es, sich zu versichern das das Schultergelenk frei beweglich ist.

Das ist es aber nur, wenn die Halswirbelsäule genau mittig ist und nicht gestellt ist. Dazu muss Genick und Kiefer absolut gerade ausgerichtet sein. Jede kleine Abweichung ist eine Irritation der Statik, die auf Kosten von anderen Bereichen geht. Deshalb kommt dem ausgerichteten Genick eine übergeordnete Position ein. das Schiefstellen des Genicks ist daher eine absolute Ausweichbewegung.

Erst wenn es durch gezieltes Ausrichten muskulär ausbalanciert, d.h eine gleichseitige Gewichtsverteilung erreicht  ist, kann es beide Seiten gleichmäßig loslassen und somit gerade sein. Ist allerdings beim rohen Pferd noch zu viel oder zu wenig Spannung auf dem Nackenband, ist das Ausrichten (auch bedingt durch die Schiefe) durch die einseitige Gewichtsbelastung, sehr schwierig.

Das beleidigte Genick

Mit der „Lieblingsseite“ eines Pferdes wird die Schiefe im Körper manifestiert. Denn eigentlich sollte das Pferd, so wie der Mensch gerade laufen. Jede Schiefe ist ein Verstellung der Statik, ebenso wie beim Menschen. Gerade im Körper ist das Pferd also nur , wenn es im Genick ausgerichtet ist. So wie es Verwirbelungen im ganzen Rücken gibt, gibt es die natürlich auch in den „freitragenden“ d.h. nicht von Knochen unterstützten Genickwirbeln. und ebenso wie im Rücken können auch da Nerven beleidigt oder gequetscht werden. Wer schon einmal ein Schleudertrauma hatte, kann das sehr genau nachempfinden.

Das Nackenband

Aus- und Aufrichten und verbunden wird die Wirbelkette durch das Nacken- und über dem Widerrist beginnend dem Rückenband. Das Nacken- und Rückenband ist ein äußerst zähfestes Band, das im Vergleich zur Wirbelkette tatsächlich links und rechts der Oberlinie verläuft und am Genick und Kreuzbein angemacht ist.

Da die Halswirbelsäule ja kein stabiler Knochen ist, gibt einzig das Nackenband dem Pferd die Möglichkeit, den Hals zu heben und zu senken. (den extremsten Fall einer Nackenband-Arbeit sehen wir bei der Giraffe )

Beim jungen Pferd ist das Nackenband noch sehr straff gespannt. Da es hinten am Kreuzbein befestigt ist, zieht es bei jeder Bewegung des Beckens an den Dornfortsätzen des Widerristes und am Genickansatz. Daraus entsteht beim rohen Pferd die Nickbewegung beim Fortbewegen.

Setzt sich nun der Reiter mit seinem Gewicht auf den rohen unvorbereiteten Pferderücken mit dem straff gespannten Nacken-Rückenband, so drückt das Reitergewicht das Band nach oben. Das Pferd nimmt den Kopf-Hals unnatürlich nach oben, der Rücken sinkt ein, das Becken verharrt in einer steilen, nach vorne gekippten Position – die Kruppe mit den Hinterbeinen geht nach hinten heraus. Und das Kreuzbein ist nicht mehr an der Bewegung beteiligt.

Noch was..

Bei allen Killerbewegungen, muss man sich bewusst werden, dass falsche Impulse die in das Gehirn gehen, als falsche Bewegungsimpulse an die Muskeln weitergegeben werden. Obwohl diese Bewegung eine ungesunde Belastung der Gelenke ist, versucht sich der Körper davor zu schützen indem der neue Muskeln aufbaut, die die Gelenke unterstützen sollen. – Ausweichmuskeln entstehen.

Vorsicht vor zu frühen Seitengängen

……eigentlich logisch, denn Seitengänge gehörten seit jeher zu den versammelten Lektionen. Warum? – Wenn Seitengänge zu früh vom unvorbereiteten Pferde gefordert werden kann das fatalen Auswirkungen im Körper haben. Zu früh bedeutet: solange die Rückenwirbel und vor allem die Lendenwirbel nicht beweglich sind. Das ist unabhängig vom Alter ( Leider werden Wirbel auch durch ein Aufwärmen nicht beweglicher – denn das ist ein Vorgang, der viele Funktionskreise im Körper ansprechen muss) Seitengänge sollten erst ausgeführt werden, wenn der Rücken des Pferdes in seinen Wirbeln beweglich ist, denn bei einer festgehaltenen Wirbelkette besteht die Gefahr einer Verwirbelung.(Wirbel stehen fühlbar hoch, die ungünstig auf das sehr vernervte Rückenmark drücken können) Richtig ausgeführt geht die Belastung des Seitenganges von der hinteren Hinterhandmuskulatur und der gewinkelten Hinterhand ( Hankenbeugung) aus.

Zu früh, und falsch ausgeführt geht die Belastung auf die „freitragende“ Lendenwirbelkette und die vordere Hinterhandmuskulatur wie zum Beispiel dem Knie. Die falsche Kraft-und- Ausweich-Bewegung, geht aus der Patella und dem Kniegelenk aus. mit diesen enormen Schärkräften die dann auf die Gelenke wirken, ist die Funktion eines Gelenkes absolut überfordert.

Ein klassisches Kriterium ist das gerade ausgerichtete Genick, ohne Stellung – denn eine Stellung verändert die Statik des Pferdekörpers negativ und belastet und verdreht das Kniegelenk. Der Schwung geht somit nicht durch den Körper durch und erreicht nicht die Hinterhand. Übrigens: ein Seitengang ist nur Hinterhand-kräftigend und muskelaufbauend wenn sie mit einem beweglichen Rücken mit freien Wirbeln ausgeführt wird.

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