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Fragen und Antworten zum bewegten Menschen

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Von der „Mutter der Bewegung“ und unserem „Hubraum“ im Körper

 

Frage: Herr Pausch, was ist das Besondere an Ihrer Arbeit?
Nun, wir achten auf verschiedene Bereiche im Körper. Zum einen die Hebelwirkungen der Gelenke, die Zusammenarbeit der Muskeln, die Atmung und die Funktionen des Gehirns, das eine wesentliche Rolle in den Bewegungsabläufen spielt.
Wenn Sie beispielsweise in Ihrer täglichen Arbeit Ihre Schulter stark beanspruchen und Sie merken bereits eine Überbelastung, trainieren wir bei Ihnen nicht die Schultermuskulatur, wir verknüpfen vielmehr die überbeanspruchten Muskeln mit weiteren Muskeln, Hebeln, Sehnen und Gelenken.
Mit den Schulterblättern, der Rückenmuskulatur, der Nackenmuskulatur, deren Gelenken und Wirbeln, der Unterarmmuskulatur, deren Strecker und Beuger bis hin zur Hüfte. Arbeiten diese alle gemeinsam an einer einzigen Bewegung, fällt diese wesentlich leichter und die Überbelastung verschwindet, die Bewegungen werden effizienter, eine Balance der Muskeln entsteht.
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Bewegungen sind wie ein Orchester!

Frage: Was passiert dabei?
Es ist wie Teamwork! Die gemeinsame Kraft macht die Stärke aus. Ein Beispiel: Sie können alleine eine Kiste die Treppe hoch tragen, kräftig wie Sie sind, schaffen Sie das vermutlich. Sie werden aber dennoch bald ermüden und die Anstrengung in Armen und Beinen spüren. Tragen Sie die Kiste mit jemandem zusammen, schaffen Sie wesentlich mehr und sind danach auch noch ausgeruht. Wir bringen dem Körper bei mehr von sich zu nutzen, so ist es dann als würde er die Kiste zu Zweit tragen. Dennoch haben Sie dabei Ihre Muskeln in Bewegung gehalten, trainiert, die Gelenke bewegt, aber nicht überbeansprucht. Es passiert dabei auch eine Ausbalancierung der Muskeln, Schiefstellungen durch einseitigen Muskelzug verbessert sich wesentlich.
Frage: Sie sagen: „ Monotones Bewegen macht dumm“ wie meinen Sie das?
Wenn Sie eine Bewegung regelmäßig, monoton über einen langen Zeitraum machen, festigt sich diese Bewegung in Körper und Gehirn. Wir verlieren das Gefühl dafür, ob diese Bewegung gut ist oder schadet, ob es anders und leichter gehen könnte. Als Beispiel das einfache „Gehen“: Der Körper setzt einen Fuß vor den anderen, immer an die gleiche Stelle vor den Körper. Hüfte, Schultern, Rumpf, bewegen sich immer gleich. Durch monotones Bewegen entsteht ein Muster, weil die Muskeln, Gelenke und Sehnen sich immer exakt gleich bewegen. Abnützungen und falsche Muskeln können entstehen.
Man kann aber durch einfachste Veränderungen Körper und Gehirn „Neues“ zeigen.
Setzen sie die Füße enger auf, und schon haben Sie eine andere Hebelwirkung. Diese „andere“ Hebelwirkung, geht nicht nur über das Knie, sondern bis zur Hüfte und darüber hinaus. Andere Muskeln, die vorher untätig waren, werden miteinbezogen. Die Kraft der Gemeinsamkeit kommt wieder zum Tragen. Neue Vernetzungen entstehen im Gehirn. Allein beim Gehen und Laufen haben wir hunderte Möglichkeiten. Da gibt es für jeden Menschen einen Weg, der es dem oder der Betreffenden leichter macht. Dadurch wird das Gehen oder Laufen auf individuelle Art effizient.

Wie in der Musik:

Innerhalb nur einer Oktave,
verschiedenen, Instrumenten,
Taktvariationen, unterschiedlichen Geschwindigkeiten,
einer Individuellen Singstimme, sind die Möglichkeiten unendlich!

 

So ist es auch mit dem Körper. Er ist für alle fast gleich gebaut, aber die Möglichkeiten der Bewegung sind unendlich!

Frage: Ist das wirklich so „banal“?
Nun ja, etwas komplizierter ist das Ganze dann schon! Um Probleme in feinmechanischen Bereichen zu lösen, braucht es schon etwas mehr.
Frage: Wie geht das vor sich?
Hier kommt kurz Feldenkrais ins Spiel. Durch kleinste Bewegungen werden bewusst und unbewusst Gelenke beweglicher gemacht. Aber auch die Muskeln werden in ihrer Gesamtheit und Zusammenarbeit gefördert. Damit der Körper lernt, was er aus dem Pool seiner Möglichkeiten für eine einzige Bewegung noch zusätzlich nutzen kann, wie er sein Potential ausschöpfen kann, braucht es auch die Verbindungen der Nervenbahnen zum Gehirn, damit diese „neuen“ Bewegungen von selbst funktionieren können bis in jeden einzelnen Wirbel und kleinsten Muskel.
Frage: Bewusst und unbewusst?
Ja! Der Körper soll bewusster lernen, wie sich zum Beispiel beim Gehen oder Laufen eine Bewegung der Ferse auf das Knie, die Hüfte, die Wirbelkette, und die Schulter auswirkt. Was macht das Knie eigentlich, wenn ich mich bewege? Ist das richtig? Dieses Bewusstmachen einer Bewegung findet normalerweise nicht statt, darum kommt es zu falschen Bewegungsabläufen, denn würden wir merken, dass etwas falsch läuft, würden wir es ändern!
Das Knie und der Schraubenzieher:
Wenn Sie einen Schraubenzieher schräg ansetzten wird es beschwerlich sein, eine Schraube in die Wand zu drehen. Mag sein, dass es geht, aber die Schraube ist am Kopf zerkratzt, schräg in der Wand und der Schraubenzieher beschädigt. Die Schraube ist in der Wand, stimmt, aber machen Sie das mehrmals sind Werkzeug und Schraube kaputt. So ist das auch mit unseren Gelenken. Es funktioniert, ja, aber auf Dauer gehen sie kaputt!
Der Vorteil dabei ist aber, dass man schädigende  Bewegungsmuster korrigieren kann und sich auch Gelenke, wenn Sie nicht zu stark beschädigt sind, wieder rehabilitieren!

Hat der Körper dieses Bewusstsein erlernt, kann er die Hebelwirkungen nutzen. Das geht so weit, dass nach einigen Stunden der Mensch eine Ferse hebt, das Knie aus diesem Grund sich abwinkelt, die Hüfte sich nach hinten bewegt, die Schultern sich mit bewegen, und auf der anderen Seite kommt die Ferse hoch und das Knie winkelt sich ab. Das Fazit ist:
Die Hebel des Körpers arbeiten plötzlich effizient und mit minimalem Aufwand zusammen. Verspannungen lösen sich, weil einzelne Muskeln sich nicht monoton bewegen, sondern im Zusammenspiel mit anderen! Gelenke werden nach der Bauart des Körpers benutzt.

Das Knie und der Schraubenzieher: Wenn Sie einen Schraubenzieher schräg ansetzten wird es beschwerlich sein, eine Schraube in die Wand zu drehen. Mag sein, dass es geht, aber die Schraube ist am Kopf zerkratzt, schräg in der Wand und der Schraubenzieher beschädigt. Die Schraube ist in der Wand, stimmt, aber machen Sie das mehrmals sind Werkzeug und Schraube kaputt. So ist das auch mit unseren Gelenken! Es funktioniert, ja, aber auf Dauer gehen sie kaputt!

Frage: Das würde bedeuten, dass beim Laufen das eine Bein auf den Boden aufsetzt und aus dem Grund das andere wie von selbst hoch kommt?
Ja, genau so ist es. Dann arbeitet der Körper effizient in seiner Bewegung. Der Aufwand der Kraft wird in ein Maximum an Bewegung umgesetzt. Sprich, ich brauche für eine Bewegung weniger Kraft.

Laufen geht wie von selbst!

Frage: Sie schreiben über die „Federn“ im Körper! Was meinen Sie damit?
Damit meine ich unsere Sehen. Unsere „Selbstbeweger“ wie ich sie auch gerne nenne. Sie sind wie starke Gummibänder, die uns jede Bewegung unglaublich erleichtern können. Wenn Sie Ihre beiden Daumen in ein Gummiband einhaken und es mit kleinen Schwüngen „federn“ lassen, es auseinander ziehen und wieder zusammen ziehen lassen, mit kleinen Schwüngen, so federt das Gummiband mit dem Schwung wie von selbst, ohne Aufwand. Ziehen Sie es sehr langsam zusammen und auseinander brauchen Sie Kraft. Lassen Sie das Gummiband auseinander gezogen wird es der Belastung irgendwann nachgeben. Lassen Sie es lasch hängen, wird es an Elastizität verlieren. Es braucht die Bewegung. Dieses einfache Beispiel, können wir auch bei unseren Sehnen – unseren „Schwungrädern“ – anwenden.

Unsere
Selbstbeweger!

Frage: Wie bekommt man die Sehnen in die Bewegung?
Nun ja, man kann einem Menschen oder Tier nicht sagen:“ Beweg deine Sehne“. Das wird nicht funktionieren. Hier kommt ein kleiner Teil meines „KörperhighLeiten“ ins Spiel. Nehmen wir als Beispiel unsere Achillessehne. Durch Berührungen in den verschiedensten Stellungen und Bewegungsabläufen bei Kontraktion, Flexion und einer dynamischen Bewegung wird die Sehne in ihrem Tun aktiviert und in die Arbeit mit einbezogen. In einer entspannten Haltung am Boden (das klappt nur beim Menschen), zeige ich dem Körper bzw. der Sehne, was sie eigentlich alles tun kann, das können die Menschen, wenn sie es einmal gemacht haben, sehr leicht zu Hause nachmachen. Das wird dann auch beim Gehen, Laufen in ähnlicher Form gemacht. Es soll ja auch IN der Bewegung umgesetzt werden. Ich kann einem Körper nichts im Liegen beibringen was er in der Bewegung umsetzen soll: „So, jetzt mach das auch beim Laufen!“ Der Körper in seiner Ganzheit braucht dabei schon Hilfestellung.
Durch die gezielte Bewusstmachung über das KörperhighLeiten schwingt das Gummiband, die „Feder“ schwingt wieder und erleichtert unsere Bewegung wesentlich. Neue Muskeln bilden sich, weil sich natürlich auch der Fuß anders bewegt und so kommt man in eine Aufwärtsspirale seiner Bewegung.

Das Gummiband im Körper!

Frage: Warum machen wir das nicht von Natur aus, dieses Federn?
Dafür gibt es viele Gründe. Um bei der Achillessehne zu bleiben, ist es sehr oft so, dass unser Schuhwerk uns einsperrt. Sehnen und ganze Fußgelenke können nicht arbeiten. Das beginnt schon bei Kleinkindern, wenn sie Schuhe anhaben, noch bevor sie laufen können, aber dazu gibt es einen eigenen Artikel.
Ich beobachte sehr viel und sehe, wie Menschen beim Gehen aber auch beim Laufen den Fuß regelrecht fest halten. Das bedeutet, dass im Sprunggelenk keine Bewegung stattfindet.
Der Fuß wird auf eine abenteuerliche Weise „irgendwie“ mit dem Bein nach vorne gebracht. Das Gelenk fest verschraubt. Eigentlich ein biomechanisches und physikalisches Wunder, aber es ist offensichtlich möglich und das sehe ich sehr sehr häufig. Der Fuß hat beim Anheben des Beines, wie auch beim Aufsetzten denselben Winkel zum Schienbein. Somit bleibt das Gelenk unbeweglich. Die Achillsesehne steht still, die Muskeln des Fußes arbeiten nicht, die Beinmuskulatur muss diese Arbeit mit übernehmen. Die Zusammenarbeit der Muskeln und Gelenke funktioniert nicht mehr, weil keinerlei Verbindung da ist.
Das ist übrigens häufig der Grund, weshalb Menschen beim Laufen Krämpfe in der Waden- oder Schienbeinmuskulatur haben. Das Gummiband steht angespannt still, was fatale Folgen haben kann.

Krämpfe in der Waden- und Schienbeinmuskulatur beim Laufen!

Frage: Wie wirkt sich das aus?
Was sich nicht bewegt, erschlafft, rostet ein, versulzt, verkalkt, wird starr und schmerzt! Ein Türscharnier, das sich nie bewegt und geölt wird, quietscht. Geben Sie einige Tropfen Öl darauf und bewegen Sie das Scharnier wieder nicht, wird sich auch das Öl nicht verteilen (Spritzen, Medikamente). Es ist die Kombination aus Öl und Bewegung, die das Scharnier wieder einwandfrei arbeiten lässt.
Hinzu kommt, dass andere Muskeln die Arbeit kompensieren müssen und überfordert werden. Die Probleme werden automatisch an die anderen Gelenke und Muskeln weiter gegeben.
Frage: Das bedeutet, die richtige Bewegung geht vom Fuß aus?
So einfach kann man das nicht sagen. Der Fuß hat bei einer Bewegung normalerweise den ersten Kontakt zum Boden und der Verlauf vieler Bewegungen entscheiden sich hier. Wir haben aber auch andere „Bewegungszentren“ in unserem Körper.

Bewegungszentren!

Frage: Welche sind das?
Nun ja, unser Becken zum Beispiel. Es bildet die Mitte unseres Körpers, ist von den stärksten Knochen und Muskeln umgeben, die wir haben!

Das Becken, unser Motor und Hubraum

Es ist darüber hinaus in jede erdenkliche Richtung beweglich. Die Beine sind am Becken befestigt und die Wirbelkette beginnt hier. Das Becken ist unser Bewegungszentrum.

Das Becken, unser Motor und Hubraum!

Frage: Also ist der Ursprung der Bewegung in der Hüfte, und von hier geht alles aus?
Kann man so sagen, es gibt allerdings ein „aber“, vor allem in meiner Arbeit! Weil die Hüfte sich eben in alle Richtungen bewegen kann und somit alle weiteren Bewegungen im Körper beeinflusst, ist es oft schwer, bei Problemen direkt hier den Anfang einer Veränderung zu machen. Aus meiner Erfahrung sind die meisten Menschen damit überfordert. Daher setze ich in meinen Übungen auf ein Wechselspiel: vom Fuß zur Hüfte, von der Schulter zur Hüfte, vom Kopf über die Wirbelkette zur Hüfte, von der Hüfte zum Bein, zum Fuß. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wo man ansetzen kann. Diese Vielzahl von Möglichkeiten brauchte ich aber auch, weil jeder Mensch anders gebaut ist und auf etwas anderes anspricht. Irgendwann ändert sich dann auch die Bewegung der Hüfte, sollte das Problem von dort ausgegangen sein. Das bedeutet, es gibt kein Schema, nach dem man vorgehen kann. Ich muss genau hinsehen, wie sich eine Bewegung auswirkt. Erst beobachten, wie sich die alte Bewegung auswirkt, die Probleme bereitet, aber auch wie sich neue Bewegungen im Körper auswirken.
Das heißt, die Menschen geben mir, wenn ich Ihre Bewegungen beobachte, vor, was ich als nächstes tun kann. Dann beobachte ich wieder die Auswirkung und es folgt der nächste Schritt.
Frage: Sie beziehen sich aber auch auf die Wirbelkette und bezeichnen sie sogar als „Mutter der Bewegung“?
Der Ausdruck „Mutter der Bewegung“ stammt von meiner Frau, mit der ich viel an Pferden arbeite. Bei einem unserer täglichen, langen Gespräche hat sie den Ausdruck verwendet und ich habe ihn übernommen, weil er mir sehr passend scheint. Die Wirbelkette mit Ihrer Vielzahl an „Gelenken“, von fein-zart-beweglich (Halswirbel) bis kräftig-robust-weniger beweglich (Lendenwirbel), hat unglaublichen Einfluss auf unsere Bewegungen. Die Wirbelkette ist in ihrer Feinheit, Komplexität und Empfindlichkeit dennoch sehr kräftig. Sie ist umgeben von tausenden kleinen Muskelfasern, die fein und klein direkt an den Wirbeln sitzen, darüber liegen die bekannten starken Muskeln, die wir so oft sehen. Die kleinen feinen jedoch sind es, die unsere Wirbelkette bewegen und die haben eine ungeheure Kraft. Leider liegt der Fokus oft auf den darüber liegenden großen, weil diese einfacher zu sehen, zu spüren und zu trainieren sind. Werden sie jedoch übertrainiert und festgehalten, setzten sie die wichtigere feine Muskulatur außer Kraft! Sonst würden nicht so viele Spitzensportler, die eine mehr als kräftige Rückenmuskulatur haben, ständig über Rückenschmerzen klagen. Sogar Schwimmer sind davor nicht gefeit. Berühmtes Beispiel, Franziska van Almsik, die lange mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte.
Der Name „Kette“ sagt schon, dass eine Bewegung, weitergeleitet wird. Von oben nach unten, aber auch in der Drehung und seitwärts. Unsere Wirbelkette ist im Grunde ein absolutes Bewegungstalent.
Probleme treten nur auf ,wenn wir plötzlich ein Glied der Kette nicht bewegen.
Ich habe das unter „Schaltplan des Menschen-Wirbelkette“ kurz skizziert.
Der Name „Wirbelkette“ stammt übrigens von einem meiner wichtigsten Ausbilder, Wim Luijpers, dem ich heute noch für vieles dankbar bin! Damals habe ich das als, ja, logisch angenommen, aber erst heute – nach vielen Jahren der Praxis – habe ich die unglaubliche Wirkung wirklich verstanden und was noch alles hinter dieser „Kette“ steckt. Das brachte aber nur die Praxis. Der Impuls jedoch kam von ihm.

 „Die Mutter der Bewegung“

 

„Die WirbelKETTE“

Frage: Warum haben so viele Menschen Probleme mit der Wirbelkette?
Probleme treten nur auf, wenn wir plötzlich ein Glied der Kette nicht mehr bewegen oder es falsch bewegen. Die Lendenwirbel sind dick und stark und sowas wie unsere Stoßdämpfer. Sie können sich durch ihre Wirbelfortsätze und ihre Bauart nicht seitwärts drehen. Genau das machen aber viele Menschen, weil Sie in den Schultern festgehalten sind oder durch einen Passgang oder andere Gründe, die vielschichtig sein können. Der Verlauf nach oben zu den Brustwirbeln, lassen diese immer feiner und drehfreudiger werden bis zu den Halswirbeln, die im besten Fall wirklich „wirbeln“ sollten. Wir blockieren die Bewegung in der Wirbelkette sehr oft. Jede „Energie-Bewegung“ wird weiter geleitet, das ist Physik. Beim Laufen wird das in Geschwindigkeit umgesetzt. Stellen Sie sich vor, Sie gehen: Die Füße, Beine geben die Bewegungsenergie weiter zur Hüfte, geben Antrieb, alles bewegt sich, aber plötzlich wird die Bewegung an einem Wirbel gestoppt, für einen kleinen Wirbel eine Katastrophe! Die Wirbel müssen lernen, die Bewegung weiter zu geben, in die Schultern, in die Arme, hier wird dann der Schwung in eine Vorwärtsbewegung umgesetzt. Die Arme schwingen und wenn ich die Arme UND die Schultern bewege, bewegt sich über die Verbindung der Schultern, der Wirbelkette, wiederum die Hüfte, das Bein usw. So geht kein Energie-Bewegungsschub verloren. Das ist Effizienz! Manchmal höre ich von Menschen dann: „Aber drei meiner Wirbel sind verschraubt“. Diese kann man logischerweise nicht bewegen, aber alles andere kann ich in die Bewegung bringen und somit einen gewissen Ausgleich der Einschränkung schaffen. Dabei ist es wichtig, dass sich die Wirbelkette in Gänze bewegt, damit man bei den Ansätzen der Verschraubungen keine Probleme bekommt. Aber zurück zur Wirbelkette bzw. zum Rücken: Ist dieser in seiner Bewegung festgehalten, wirkt sich das auch auf die weiteren Extremitäten wie Beine und Arme aus. Hier entstehen dann in vielen Fällen falsche Muskeln.
Frage: Falsche Muskeln?
Ja, die gibt es! Wenn sich ein Muskel durch „Ausgleichbewegungen“ sei es durch Schmerzen, einen Unfall oder einfach aus Gewohnheit separat bewegt, ohne die Zusammenarbeit anderer Muskeln, dann wird er stärker als er sein sollte.

Falsche Muskeln!

Frage: Aber stark ist doch gut?!
Das geht eine gewisse Zeit lang gut, richtig. Es entsteht dadurch aber ein Ungleichgewicht. Wenn wir uns vor Augen halten, dass Muskeln eigentlich die Aufgabe haben, unsere Gelenke zu bewegen, werden wir folgende Problematik feststellen:
Ein Gelenk wird immer von mehreren Muskeln bewegt. Beuger, Strecker, feine Muskulatur,… Die müssen alle ausbalanciert zusammenarbeiten, um das Gelenk gemeinsam zu bewegen. Ist einer davon zu stark ausgebildet, beginnt sich das Gelenk zu verdrehen, sich nicht nach seinem genauen Bausatz zu bewegen. Man kann sich das wie eine hohe Schranktüre vorstellen, die aber nur an den oberen zwei ihrer vier Scharniere aufgehängt ist. Hinzu kommt, dass durch dieses Muster der starke Muskel über Nervenbahnen und Gehirn noch mehr benutzt wird und dabei immer stärker wird. Die anderen Muskeln erschlaffen gleichzeitig, das Gelenk wird beschädigt.
Da die Bewegung eines Gelenkes ja unmittelbar die Bewegung des nächsten beeinflusst, ziehen sich die anfangs überschaubaren Probleme bald durch den ganzen Körper.

Man kann sich das wie eine hohe Schranktüre vorstellen, die aber nur an den oberen zwei ihrer vier Scharniere aufgehängt ist.

Frage: Was heißt das in der Praxis?
Die Nackenschmerzen können ihren Ursprung im Fuß haben, Rückenprobleme können an der Hüfte, dem Knie oder den Schultern entstehen. Es gilt, ein gutes Auge zu haben und zu beobachten.
Frage: Aber diese angesprochenen schwachen Muskeln könnte man doch trainieren?
Stimmt, könnte man. Das Training würde dann so aussehen, dass man diese monoton trainiert, jeden 2. Tag um den Ausgleich zu schaffen. Dazwischen haben Sie Ihren Alltag von jeweils über 14 Stunden in dem Sie wieder die alte Gewohnheit aufgreifen und sich im alten Muster bewegen.
Wie lange halten Sie das Training durch? Schaffen Sie es, die Muskeln exakt so zu stärken, dass die Balance wieder stimmt? Wann stimmt sie? Sie haben nicht gemerkt, dass etwas nicht stimmt, bis Sie Schmerzen bekamen. Die „falschen“ Bewegungsmuster können sich so über einen langen Zeitraum etablieren, meist über Jahre. Kann man tausende Muskelfasern, die Ihre Aufgaben haben, manuell so trainieren, dass ein gesunder Ausgleich entsteht? Oder ist es leichter, eine ausbalancierte Bewegung in den Alltag zu integrieren und dann gar nicht täglich trainieren zu müssen? Die Hebelwirkungen des Körpers zu fördern, ihm über die Nervenbahnen, die richtige Bewegung zu zeigen, damit er diese freiwillig so umsetzt, weil der Körper einfach merkt, dass es leichter ist? So werden alle Muskeln wieder an ihre Aufgabe herangeführt und ohne großen Aufwand trainiert!
Frage: Wie arbeiten Sie?
Für eine effektive Arbeit mit Menschen mache ich mit meiner Frau am liebsten Wochenendkurse. Um neue Bewegungsmuster zu erarbeiten und zu festigen, dauert es. Das ist am besten über ein Wochenende zu erreichen, auch weil bei dieser Arbeit vor allem nachts viel von unserem Nervensystem verarbeitet wird und das ist die Grundlage für ein dauerhaftes Übernehmen neuer Bewegungen in den Alltag.
Bei den Kursen werden unmittelbar nach den verschiedenen speziellen Übungen einzelne Bewegungen in den Alltag umgesetzt. Die Teilnehmer notieren sich zu Beginn und während des Wochenendes, Bewegungen, wo Probleme oder Schmerzen auftreten und diese werden dann mit der neuen Technik umgesetzt! Step by Step, Schritt für Schritt! Am Ende erstellen wir dann mit jedem Teilnehmer ein Übungsblatt, damit er das Gelernte zu Hause leicht und einfach umsetzten kann.
Oft haben wir später ein Follow-up Seminar gemacht, wo es dann wirklich ins Detail geht.
Frage: Was sind aus Ihren Erfahrungen die Alltagsprobleme?
Nun ja, ganz oben auf der Liste steht natürlich der Rücken.
Die Wünsche der Teilnehmer sind allerdings sehr vielfältig. Ein gewisses Schema gibt es aber schon, je nach Altersgruppe und deren vorwiegender Tätigkeit.
Das Spektrum reicht vom Bügeln über Bürotätigkeiten, langes Stehen, Treppensteigen, Lastenheben und -tragen, über das Tragen von Kindern, Laufen, Wandern – vor allem das Bergabgehen, Tennis, Golf, Reiten, langes Sitzen, Schneeschaufeln usw.

Alltagsprobleme!

Frage: Schneeschaufeln?
Ja auch das!
Man schiebt die Schneeschaufel den Gehsteig entlang bis zum Randstein und hebt dann meist mit einer Hand, nehmen wir für unser Beispiel die rechte, den Schnee über die Bordsteinkante. Wenn Sie das öfter machen, wird der rechte Arm stärker beansprucht. Warum zum Beispiel beim Anheben nicht gleichzeitig mit dem linken Arm der in diesem Moment hinter Ihnen ist und den Stiel festhält, nach unten drücken? Schon halbiert sich die Last am rechten Arm! Das ist natürlich ein vereinfachtes Beispiel. Wenn Sie dann durch unsere Übungen die Schulterblätter frei haben, diese beweglich sind und mitarbeiten, genau wie die Rippen und deren Muskulatur, wenn die Wirbelkette beweglich ist, das Becken sich nach den Hebelgesetzten perfekt bewegt, beginnt der Schnee zu fliegen. Fortgeschrittene drücken dann nur noch mit einer Ferse leicht in den Boden und durch die Verkettungen im Körper hebt sich die Schaufel! Beim Reiten bzw. der Reitersitzschulung fließen natürlich diese Elemente auch alle mit ein. Das können Sie in den verschiedenen Artikeln nachlesen. Bei der Reitersitzschulung beginnen wir erst damit, uns die Bewegungen des Alltags anzusehen. Festgehaltene Gelenke, Bewegungsprobleme, Muster, Schmerzen. Wie in den verschiedenen Artikeln beschrieben, hängt der Reitersitz auch davon ab, welche Geschichte, welche Bewegungsmuster der Mensch hat, der uns gerade gegenüber sitzt.
Übungen für die Allgemeinheit zu empfehlen ist nett und macht auch Sinn, aber wenn ich auf den einzelnen Menschen eingehen kann, wird der noch mehr mitnehmen können.
Zu sagen: „Bewege deine Hüfte“ wird nicht viel bringen, wenn die Hüfte nicht beweglich ist! Wir müssen erst sehen, warum die Hüfte nicht beweglich ist, wo der Ursprung ist und dann kann man denjenigen in auf ihn abgestimmten Schritten zur beweglichen Hüfte bringen. Es soll dann, wie wir es genannt haben, zu einem „Körpergespräch“ kommen“. Das heißt, in erster Linie, der Mensch spürt die Bewegungen vom Pferd. In zweiter Linie, der Mensch spürt seine eigenen Bewegungen und jene, die aus der Bewegung des Pferdes resultieren. In weiterer Folge bewegt der Mensch sich dann im Sattel so, dass er mit Kleinstbewegungen dem Pferd Impulse geben kann.
Beispiel: Der Reiter denkt an seine rechte Ferse und schon dreht sich das Becken im Sattel. Da wollen wir hin! Zu einer Leichtigkeit im Sattel, Eleganz und einer gesunden Bewegung ohne Anstrengung.
Wenn es Bewegungsprobleme in der Schulter, den Lendenwirbeln oder dergleichen gibt, müssen wir diese erst mal lösen und dann zum nächsten Schritt übergehen.

Schneeschaufeln!

Reitersitz!

Frage: Hört sich das nicht ein wenig zu einfach an?
Das Prinzip ist einfach, die Ausführung dennoch sehr komplex! Das ist auch gut so, denn wichtig ist, dass es dem Menschen in seiner Komplexität auf eine einfache Art und Weise beigebracht wird, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Es muss mit „Leichtigkeit“ passieren, alles andere wäre wieder Anstrengung und Muskelarbeit und würde blockieren.
Das komplexe der Ausführung und die genaue Beobachtung mit geschultem Auge betrifft ja nur unsere Arbeit mit Menschen und Pferden, wobei es bei den Pferden etwas anders läuft, aber das Prinzip ist das gleiche.
Frage: Geben Sie auch konkrete Tipps?
Sie haben gehört, wie einfach, aber auch wie komplex der Körper sein kann. Ich lese oftmals konkrete Tipps und Tricks bei Bewegungsproblemen im Internet oder anderorts, wo manche in Ihrer Verzweiflung Hilfe suchen. Sie bekommen dann eine Ferndiagnose von Menschen, die sie noch nie gesehen haben. Man kann aus der Ferne keine Diagnosen stellen und Tipps geben, dafür sind wir zu verschieden und kennen den Ursprung der Probleme nicht. Das gilt für den Menschen genauso wie fürs Pferd. Auch wenn es von den meisten gut gemeint sein mag, sie gehen oftmals von sich aus und beschreiben, was ihnen geholfen hat. Natürlich es gibt Grundübungen, die jeder machen kann, wie das mit dem Schneeschaufeln, das kann jeder probieren. Solche und ähnliche Dinge mache ich schon. Wir werden auch in naher Zukunft Videos in dieser Richtung einstellen. Aber ein: Ich habe einen Bandscheibenvorfall auf L4, was soll ich tun, gib mir eine Übung wird es definitiv nicht geben! Wenn die Person zu weit weg wohnt oder bis zum nächsten Kurs nicht warten kann, empfehle ich Kollegen in der Nähe und erstmal den Gang zum Arzt. Wobei dieser meist schon passiert ist, aber keine Besserung eingetreten ist.

Unseriös!

 

 

Meine persönliche Schuhempfehlung:

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