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Mensch- Ein Bewegungsmuster entsteht bereits während der Schwangerschaft.

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Ist ein Junge beispielsweise von Geburt mit sehr großen Armen und Händen ausgestattet,  weil er diese von seinem Vater geerbt hat, entsteht im Gehirn eine andere Netzwerkstruktur zur Steuerung dieser großen Hände als bei seinem Bruder, der die kleinen Hände und Arme seiner Mutter geerbt hat. Beide kommen mit einer anderen Gehirnstruktur zur Welt.

Es bedeutet, dass jedes Kind bei der Geburt mit einem Gehirn ausgestattet ist, das sich im Verlauf der Schwangerschaft individuell an seinen Körper angepasst hat. Im Wechselspiel haben sich Gehirn, Muskeln und Knochen perfekt geformt, um die Bewegungen genau dieses Körpers zu steuern.

Das Bewegungsmuster beginnt bereits vor der Geburt. Im Laufe der Jahre kommen dann neue Muster hinzu. Babys und Kleinkinder probieren aus, wie eine Bewegung funktionieren kann, wie zum Beispiel das Auf-den-Bauch oder Zur-Seite-Drehen eines Babys. Dieses Ausprobieren ist ein Prozess, bei dem das Gehirn sich mit den Bewegungen verknüpft und lernt; ebenso beim Krabbeln oder beim Beginn des Laufens. Darum ist es wichtig, den Kindern selbst die Entwicklung und die dazu nötigen Schritte zu überlassen, sie nicht zu manipulieren. Viele Eltern wollen ihren Kindern helfen, ziehen sie beispielsweise an den Armen nach oben oder dergleichen, damit es schneller geht. Diese gut gemeinte Hilfe ist allerdings für den Prozess des Erlernens der für den jeweiligen Körper richtigen Bewegungen kontraproduktiv. Alleine das Stehen ist für ein Kleinkind ein gewaltiger Schritt und Aufwand. Körper und Gehirn werden dabei Höchstleistung abverlangt. Muskeln und Gehirn müssen perfekt zusammen arbeiten, um das Gleichgewicht zu halten.

Eine Bewegung entsteht bevor die Bewegung passiert!

Durch unser Bewegungsmuster, das im Gehirn, gespeichert ist, passiert die Bewegung im Körper eigentlich schon bevor die Bewegung wirklich ausgeführt wird. Um ein Bewegungsmuster zu ändern, ist es daher notwendig, die Verbindung von der Bewegung und den Informationsleitungen bis hin zum Gehirn zu verknüpfen und neu anzulegen bzw. zu differenzieren.

Ist es immer richtig, wie es ist?

Gewisse Bewegungsmuster passen einfach in das ganze Konzept eines Menschen. Auch wenn der Bauplan etwas anderes vorgesehen hatte. Wenn nun der Kopf des Einen etwas weiter vorne liegt als bei einer anderen Person, hilft es nicht, einfach mit Übungen daran zu arbeiten, den Kopf nach hinten und somit über die Schultern zu bekommen. Das würde das ganze Körper- und Bewegungskonzept des Menschen durcheinander bringen und daher nicht funktionieren. Die Folge sind in der Regel Schmerzen, Verspannungen, Haltungsprobleme und im Endeffekt kommt der Kopf wieder dahin, wo er ursprünglich war. Keine Verbesserung einer Problems ist hier noch das geringst mögliche Übel. Manchmal sind die Dinge genau so wie sie sind okay, wenn der Körper damit umgehen kann. Verursacht etwas Schmerzen, ist es wichtig das ganze Bewegungskonzept des Menschen zu adaptieren, dann bessert sich auch die eine Fehlhaltung. (Schulterschiefstellung, Skoliose, …)

Ein anders Beispiel wäre der Plattfuß. Der Klassiker ist leider immer noch die Einlage. Meist außer Spesen und Schmerzen nichts gewesen. Man muss schon den ganzen Körper mit einbeziehen. Es gibt übrigens keine einzige Studie oder Wissenschaftliche Grundlage, das Einlage funktionieren oder Verbesserungen bringen. Dafür ist das Marketing perfekt und die Umsätze hoch.

Woran kann so etwas liegen? Ein Plattfuß, Senk-Spreizfuß!

Der Plattfuß kann mehrere Gründe haben, z. B. zu wenig Muskulatur am Fuß, weil der Fuß zu früh in Schuhe gesteckt wurde und sich dadurch nicht bewegen und entwickeln konnte. Kann er sich nicht bewegen, bildet sich auch keine Muskulatur, bildet sich diese nicht, passen sich die Bänder am Fuß den Gegebenheiten einfach an. Ist der Plattfuß da, ändert sich auch die Bewegung im Fußgelenk, im Knie und weiter über das Becken bis hin zum Kopf. Er kann auch entstehen, weil der Fuß nach außen gedreht wird und er dadurch nicht über die Zehen sondern über die Innenseite des Fußes abrollt. Das wird keine Einlage ändern!
Ein einfaches Beispiel für eine Veränderung der Bewegung in Beinen und Becken ist es, die Beine über Hüfte und Schulten nach vorne aber vor allen nach hinten zu bewegen, die Beine enger aufzusetzten und die Schrittlänge zu ändern. Dadurch ändert sich das Aufsetzen des Fußes und der Plattfuß oder Senk-Spreizfuß verschwindet. 

Der Körper ist keine Maschine mit einem genauen Konstuktionsplan,
bei dem alles nach einer Norm passiert!

Andere Bewegungen, die in ihrer jetzigen Form den Körper schädigen, wurden mit ziemlicher Sicherheit künstlich herbeigeführt. Falsche Schuhe beim heranwachsenden Kind, das viele Sitzen in der Schule oder vor Fernseher und PC, wenig Bewegung oder falsche, monotone Bewegungen, Passgang, das Festhalten der Schultern, die Erziehung zu zwanghaftem Geradesitzen usw. Die Möglichkeiten würden ein eigenes Buch füllen.

Hier ist es wichtig, bei einer Änderung des Bewegungsablaufes den ganzen Körper als Konzept zu betrachten und diesen langsam und „in seiner Freiwilligkeit“ an die neue Bewegung heranzuführen. Mit freiwillig meine ich, dem Körper und dem Gehirn zu zeigen, welche Vielzahl an Möglichkeiten er NOCH hat, eine Bewegung zu machen.

Lernen soll uns nützen und glücklich machen, das geschieht wenn es spontan passiert!

Wenn dann die „neue“ Bewegung abwechselnd in positive, in negative, in dynamische, in schwungvolle Bewegung gebracht wird, wenn dem Körper gezeigt wird, welche zusätzlichen Hebelwirkungen und Seilzüge er nutzen kann, wenn den Muskeln über die Nervenbahnen „beigebracht wird“, wie sie besser zusammenarbeiten können, dann ändern sich Bewegungsmuster dauerhaft.

„Je mehr Netzwerke miteinbezogen werden, desto aktiver ist das Gehirn und desto besser laufen die einzelnen Lernschritte.“
(Dr. med. Sabine Schonert-Hirz)
Der Körper und das Gehirn werden dann die positive Bewegung in den Alltag einbauen, weil diese einfach leichter und ökonomischer ist. Der Körper wird Bewegungen, die ihm leichter fallen, schmerzfrei und damit besser als die „alten“ sind, annehmen, nutzen und umsetzen und schließlich in sein gesamtes Körper- und Bewegungskonzept integrieren und auch in den Alltag übertragen. Das gilt sowohl für den Menschen als auch fürs Pferd.

Die „neue Bewegung“  in den Alltag zu integrieren, ist die wichtigste Aufgabe. Hierauf legen wir großes Augenmerk, weil die meisten Bewegungs-Stunden im Alltag stattfinden bzw. mit Alltäglichem am meisten Zeit verbracht wird.

Fehler und Verspannungen haben in der Regel im Alltag ihren Ursprung. Durch Sport werden diese dann oft noch gefestigt. Alltagsbewegungen wie bei einer Bürotätigkeit, schwerer körperlicher Arbeit, Treppensteigen oder Schneeschaufeln beispielsweise entstehen im Alltag und Beruf. Verspannungen und Fehlstellungen, nimmt man dann auch mit in den Sport, der ja eigentlich für „gesunde “ Bewegung sorgen und ein Ausgleich sein soll.

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