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Warum braucht das Pferd die Biomotorik? – die Biomotorik und das Pferd

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Warum braucht das Pferd Biomotorik? Nun das Pferd braucht keine Biomotorik – das Pferd HAT seine Biomotorik. Beobachten Sie nur einmal ein Fohlen beim Spielen, es bewegt sich mit seinem Körper scheinbar mühelos und sicher und scheint dabei über eine unerschöpfliche Energie zu verfügen. Es ist in SEINER Biomotorik – und damit prägt es seinen Körper. Man könnte es als „ersten Bildungsweg“ bezeichnen bei dem es mit seinen Bewegungserfahrungen, seinen Bewegungserlebnissen den Beginn seiner eigenen, ganz persönlichen und unverwechselbaren Bewegungsbiografie zu schreiben beginnt.

Biomotorik und Hingabe

Biomotorik hat immer was mit Hingabe zu tun. Ungeteilte Hingabe an den eigenen Körper, an die eigenen Bewegungen, an die Belohnung des Körpers – wenn schwierige Bewegungen immer leichter und müheloser gehen und man dadurch immer noch ein kleines bisschen mehr möchte. Dazu braucht der Pferdekörper seine Eigenwahrnehmung. Um noch besser zu werden – vielleicht besser wie der Spielgefährte – und trotzdem ohne „Ehrgeiz“ besser zu sein! Denn wie das Wort schon sagt: man geizt mit der Ehre…

Die Natur hat den Lebewesen die Biomotorik in die Wiege gelegt um besser zu werden und körperliche Herausforderungen anzunehmen. Nicht nach dem Punkte- Belohnungs – und Wertesystem des Menschen, sondern um – zu überleben. Denn nur wer seinen Körper so gut wie möglich ausbildet, hat mehr Chancen mit seinen Feinden fertig zu werden – mit seinen feinen Sinneswahrnehmungen die besten Futterplätze zu bemerken und sich schließlich als „der Beste“ fortzupflanzen und seine Gene damit an andere Generationen weiterzugeben.

Die Biomotorik ist nicht revolutionär sondern evolutionär

Das ist das evolutionäre Prinzip, mit dem sich das Pferd weiterentwickelt  um sich zu perfektionieren. Diese Wurzeln bilden auch heute noch das Fundament zum gesunden Großwerden des Pferdes. Deshalb ist dieser evolutionäre Gedanke auch heute noch in jedem Pferd in seinen Genen verankert – das Pferd lebt durch seine Biomotorik.

Ganz anders dagegen wirkt die Erziehung! Erziehung ist Pflichterfüllung, es ist Gehorsam, es ist ganz häufig ein gegen den eigenen Körper gehen, um etwas auszuführen(Kadavergehorsam!). Und – Erziehung hat nie etwas mit den eigenen Sinnen zu tun. Alle Wir kennen es alle von – z.B. von der Mathematik: wenn wir sie lernen MÜSSEN, werden wir sie nie beherrschen – wenn wir sie lernen WOLLEN – dann können wir uns sogar in die Mathematik eingraben.

Pferde „erspielen“ sich ihre Bewegungen

Junge Pferde erlernen ihre Bewegungen aus der Situation heraus – wie gesagt, das ist der erste Bildungsweg des Pferdes.  Sie „erspielen“ sich im wahrsten Sinne des Wortes ihre Bewegungsgrundlage. Sie erlernen sich nach oben zu strecken und nach unten zu beugen. Denn beide Bewegungsrichtungen brauchen sie in ihrem Leben.  Die Reize der Umgebung motivieren sie, um mit ihren immer feiner werdenden Sinneswahrnehmungen diese  zwei Bewegungsgrundformen  immer schneller, beweglicher und wendiger auszuführen, damit sie ihren Wirkungskreis erweitern können.

Ihr Motor ist ihre unstillbare Neugier und sie lernen unermüdlich in einer Turbogeschwindigkeit über ihre Sinneswahrnehmungen, durch Nachahmung, durch Tun, Experimentieren, Probieren, durch Versuch und Irrtum – denn Fohlen LERNEN spielerisch. Aber so ganz nebenbei – ohne dass es jemand bewusst bemerkt „trainieren“ sie ihre Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeit. Und je mehr sie mit ihrem Körper spielen(oder spielen können), desto besser werden sie.

Bei ihren „Bemühungen“ stehen immer der Spaß und die Lust am Tun im Vordergrund. Aber – immer auch in Augenhöhe zu Spielgefährten. So passen sie ihre Bewegungen der Umwelt an in der sie leben und aufwachsen. Das ist genetisch in ihnen angelegt, um zu überleben. Und Überlebens- und Fortpflanzungsfähig sind sie, wenn sie immer besser werden – immer geschmeidiger und immer selbstbewusster. Dann sind die Grundbedürfnisse ihres Körpers optimal erfüllt, und dann haben sie die besten Chancen mit den Anforderungen der Umwelt in der sie leben umzugehen – das ist Anpassungsfähigkeit. Und das sagt ihnen ihr Körper mit jeder Zelle….

Der Begriff Training oder Übung ist ihnen dabei völlig unverständlich, denn es kommt für sie auf das reaktive und situative Bewegen an, für das sie elastische Sehnen brauchen, nicht auf das Stärken von Muskeln – die vielleicht! einer freien Bewegungsfähigkeit nur im Weg stehen. Und was das Pferd instinktiv weiß, muss der Menschen anscheinend erst wieder begreifen lernen: dass bewusstes Spezialisieren und Stärken von Muskeln, das Entwickeln von angelegten Fähigkeiten eher hemmt, anstatt sie zu begünstigen.

Das Biomotorische Training als der „zweite Bildungsweg“

Später dann – wenn der erste Bildungsweg schon lange abgeschlossen ist, wenn die Bedingungen der Umwelt – die gerade in der Natur selten optimal sind – oder wenn der Mensch, durch seine „Erziehung“  vielleicht schon in das Körpersystem des Pferdes eingegriffen hat. Wenn also das feine Biotop des Körpers schon verändert wurde – dann kann der Mensch wieder ins Spiel kommen…
Denn der Mensch kann auf dem „zweiten Bildungsweg“ des Biomotorischen Trainings dem Pferd das wieder bieten, was durch die Bedingungen seiner Umwelt nicht so gradlinig in seinem Körper abgelaufen ist, und an die sich das Pferd durch Gewohnheit angepasst hat.

Erklären Sie mal dem Pferd, warum Sie ihm das Maul zuschnüren

Wir Menschen würden leicht in einen Erklärungsnotstand kommen, wenn wir dem Pferd erklären müssten, warum es eine bestimmte Bewegungsabfolge zig-mal wiederholen muss. Und wie lässt sich dem Pferd zu seiner Zufriedenheit erklären, warum sein Maul dazu zugeschnürt werden muss – oder warum es stundenlang in einer Haltung laufen muss, bei der die Muskeln sehr schnell anfangen zu schmerzen, oder warum es diesen unsäglichen Druck im Genick ertragen muss…oder, oder, oder….

Letztlich „lernt“ auch das erwachsene Pferd mit seinem Körper immer noch so wie das Fohlen – indem es durch das Auslösen von Reflexen, die es mit seiner Geburt im Körper mitbekommen hat, alle seine körperlichen Grundbedürfnisse befriedigen kann. Auch im Biomotorischen Training kann es dass tun, was es unter den perfektesten, optimalsten Bedingungen in der Natur machen könnte – in seinem Körper, mit seinem Körper zu wachsen und sich weiter zu entwickeln – und weil das Pferd weder in der Natur noch in der Obhut der Menschen die optimalen Bewegungsbedingungen findet – genau deshalb gibt es das Biomotorische Training.

Bewegungsgeschädigte Pferde

Um die körperlichen Fähigkeiten des Pferdes zu erweitern oder auch Bewegungsgeschädigte Defizite auszugleichen, müssen wir  das Pferd wechselnden Situationen „aussetzen“ in denen es die intuitiven Fähigkeiten dazu benötigen würde. Wollen wir beispielsweise körperliche Flexibilität und den Gleichgewichtssinn entwickeln, können wir das Pferd nicht in eine feststehende „Form“ oder „Haltung“ oder „Stellung“ bringen, sondern wir müssen den Gliedmaßen eine freie Bewegung ermöglichen, damit sie sich unter wechselnden Bedingungen koordinieren können und den Anreiz zur Gleichgewichtssuche bekommen.

Wie gesagt, das Fohlen macht es uns vor, wie die primitiven Reflexe in seinem Körper, das Pferd lehren können mit seinem Körper umzugehen. Wie es dabei alles Starre verliert, und locker, beweglich und ausdauernd wird. Wie das Federn in seinem Körper die Nerven beruhigt und den Körper von Spannungen befreit und wie es durch die angepasste Atmung immer wieder neue Energie tanken kann. Wie der Schritt, mit dem richtigen Feedback des Körpers ganz von allein weit ausgreifend wird und wie ein Galopp die Bewegungslust herausfordert und dem Körper Bewegungsqualität vermittelt.

Die Bewegungsmöglichkeiten stecken dem Pferd im Blut

Im Biomotorischen Training werden Bewegungen gelernt, geübt und „trainiert“. Aber eben nicht durch grobe Kraft und Muskeltraining, sondern durch Feinmotorik, die Einbindung der Sinne in die Bewegungen und das intuitive Verständnis für den eigenen Körper. Dabei wird Neuland für die Bewegungs(Weiter)entwicklung gewonnen – in körperlicher Hinsicht, in emotionaler Hinsicht und in sozialer Hinsicht.

Damit wird das Biomotorische Training, das zusammen mit den verfeinerten Sinneswahrnehmungen des Pferdes, die Bewegungen, die IM Pferd angelegt sind, wieder zum Vorschein bringt, zu einer einzigartigen Chance für den Menschen. Denn der Mensch kann durch das Biomotorischen Training diesen wunderbaren „Schatz“ an Bewegungen, die IM Pferd ruhen – dem Pferd wieder zur Verfügung stellen. Die im Pferd angelegten Bewegungsmöglichkeiten stecken dem Pferd ja immer noch im Blut.

Die Biomotorik ist der maßgeschneiderte Bewegungsentwicklungsraum des Pferdes

Der Mensch kann das Pferd dabei unterstützen, mit seinem Körper selbst umzugehen – genau mit derselben Hingabe an seinen Körper und an seine Bewegungen, wie in den Kindertagen des Pferdes. Denn das Pferd braucht auch in einer vom Menschen gestalteten Umwelt dieselben Zutaten, um seine Bewegungen zu entwickeln und Urvertrauen zu bekommen, wie in seiner evolutionären Vergangenheit.

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