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Die Genickentlastung des Pferdes für einen ungehinderten Fluss der Hirnnerven

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Die Genickentlastung des Pferdes für einen ungehinderten Fluss der Hirnnerven, statt Druck auf seine Nerven

Die Genickentlastung des Pferdes zwingt uns, auch ein „gewohntes“ Verhalten des Pferdes aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Oft ist uns gar nicht klar, wie viele der Signale, die die Sinnesorgane des Pferdes durch das Nervensystem am Kopf empfängt, das Pferd zu Reaktionen veranlasst, die wir gar nicht haben wollten. Die Anpassungsfähigkeit des Pferdekörpers führt den Körper in Handlungen, die wir gern als freiwillig einstufen und doch negative Prozesse im Körper entwickeln- genau dass ist aber ein gefährlicher Irrtum – denn was ist freiwillig? Gewöhnung? Oder immer wieder dieselbe Ausführung einer Handlung?

Damit die Wirbelkette Stabilität geben kann, müssen die umgebenden Wirbelmuskeln flexibel sein. Heute ist es gerade anders herum – die umgebenden Wirbelmuskeln sind zu stabil, was für die Wirbelkette viel zu viel Flexibilität bedeutet – die Wirbel nähern sich dabei an, das Informationsbett der Nerven wird verkleinert und dieser Zustand führt unweigerlich zu einem Druck auf die Nerven.

Im BewegungsLernen haben wir uns sehr lange und eindringlich mit dem Thema Genickentlastung beschäftigt, weil in allen Bewegungssituationen mit dem Pferd, so viele Fehlkommunikationen durch das belastete Genick stattfinden. Damit der Mensch mit dem Pferd auch eine körperlich verbindende Beziehung  einzugehen kann, muss der Mensch gerade diese Zusammenhänge des Körpers sehr genau beachten.

Sinne oder Sinnentfremdung

Viele Reitweisen und deshalb auch fast aber alle Zäumungen, zielen aber auf eine na, sagen wir mal Entfremdung der Sinne des Pferdes ab, was eine Desensibilisierung – also eine Reaktionsverminderung des Pferdes bedeutet. Die Hoffnung dabei ist, dass man das Pferd gegen bestimmte Reize unempfindlich macht, indem man das Pferd systematisch an Reize „gewöhnt“ – sprich, abstumpft – und seine Sinne dabei einschränkt.

Besonders kritisch wird es bei besonders „sinnigen“ Pferden – mit dem der Mensch mit seinen oftmals auf Reiterei reduzierten Verhaltensweisen, nicht zurecht kommt. Die Reaktionsbereitschaft wird runtergesetzt, indem die Sinne des Pferdes eingeschränkt werden.

Nach diesem System arbeiten ein Knotenhalfter, ein Kappzaum, ein Sperriemen und alle Zäumungen die im Genick aufliegen, oder am gesamten Kopf des Pferdes mit Druck aufliegen – also eigentlich alle! Die Muskulatur für Kauen und des Essverhalten des Pferdes, ist aber Teil des autonomen Nervensystems des Pferdes – also Heimat seiner Sinne. Es ist Teil seiner Wahrnehmung nach außen, seiner Eigenwahrnehmung und jeglicher Form von engen sozialen Kontakten – auch zum Menschen. Alle sind abhängig von der Aktivität des Nervensystems das mit den Hirnnerven verbunden ist.

Nicht nur die dabei entstehenden Dysfunktionen des Körpersystems kosten das Pferd ständig viel zu viel Energie, auch die ständige Bereitschaft alles „mitzubekommen“ – also das was die Sinne automatisch machen –  führt zu innerlicher Erschöpfung.  Gerade wenn sich  das Pferd nicht viel bewegen kann, um zu kompensieren, dass es nicht „in die Sinne kommt“. Die „normale“ Offenstallbewegung und nur viel Schritt reichen dann nicht aus, um das Körpersystem in eine gesunde Balance zu bringen. Was natürlich das Märchen vom „gesunden“ Schritt, beträchtlich ins Wackeln bringt – denn die Bewegung bleibt buchstäblich im Pferd stecken.

Aber auch wenn sich das Pferd unter Zwang bewegen muss, springt nur ein Bruchteil der Informationsquellen seiner Sinne an. Trotz dieser Vorgänge ist ein großer Teil der Reiter noch immer von der Notwendigkeit überzeugt, den Kopf und das Genick des Pferdes „im Zaum“ zu halten. Gerne noch über die fatale Wirkung der sogenannten „Druckpunkte“ – also besonderes sensible Regionen an Kopf und im Genick, die über Druck (wie der Name schon sagt), bis zur „Besinnungslosigkeit“ des Pferdes beeinflusst werden.

Auch die Gegenantwort – die Nichtbeeinflussung des Maules ist leider keine Lösung. Denn das Pferd gibt sich durch die Vorbeugung des schweren Kopfes selber durch sein Nackenband Druck auf die Nerven des Genicks. Das Problem ist: das Nackenband kann nicht gespannt und nicht gedehnt werden – die Struktur des Nackenbandes gleicht eher einem Seil als einem Gummiband. Die „Dehnung“ verhärtet das Nackenband und faltet sie auf. Leidtragende sind die ersten drei Halswirbel. So landen alle Maulfreien Zäumungen mit ihrer Wirkung unweigerlich im Genick, außer – es wurde zuvor die Balance im Genick hergestellt. Also mit jeder – auch klitzekleinen Vorbeugung des Kopf/Halses in die Vorlage hinein, werden die Informationsströme abgesperrt – das Pferd wird unsicher und hilflos und sucht seine „Anlehnung“ beim Menschen.

Der das natürlich toll findet, und diesen Umstand manchmal auch beabsichtigt. – und damit die Anlehnung des Pferdes mit Unsicherheit, Bravsein und Abhängigkeit verwechselt. Immer mehr weicht die „Kopfresonanz“  des Pferdes und macht einer erzwungenen Anpassung des Pferdes Platz – um den inneren Zustand den Erfordernissen des Menschen anzupassen – es werden Routine – und Gewohnheitsvorgänge daraus, bei denen das Pferd seine Bewegungen nicht mehr erleben kann. Daraus hat sich die Konditionierung entwickelt, was ein vom Menschen ausgelöstes, zielgerichtetes Verhalten betrifft, bei dem das Pferd  keine Kontrolle mehr über seinen Körper hat. Streng genommen ist also fast jedes Krafttraining im Sinne der Biomotorik, ein Konditionieren und ein Entwöhnen der Sinne.

Beobachten Sie sich doch mal und holen Sie sich die letzten beiden Begegnungen mit ihrem Pferd her…

  • Wie haben Sie ihre gemeinsamen Bewegungen vorbereitet, um dem Pferd ein Gefühl der Sicherheit zu geben?
  • Woran haben Sie sich bei Übungen am Boden oder bei reiterlichen Bewegungen orientiert?
  • Wie haben Sie bei reiterlichen Übungen gesessen?
  • War ihre Atmung ruhig und entspannt?
  • Wie haben Sie das Anspringen des Körperinformationsflusses mit ihrem Pferd ermöglicht?
  • Was konnte das Pferd aus ihrem Verhalten ablesen? Nicht so sehr im Sinne einer reiterlichen „Körpersprache“, sondern im Sinne von der Lesbarkeit und dadurch Reaktionsfähigkeit durch ihre Genickentlastung, ihren Atem, durch die Weitung ihres inneren Brustraumes und ihrer Beckenbalance.
  • Wie sind sie mit ihrem Pferd in die Interaktion getreten?
  • Und wie geht es ihnen selbst als Empfänger in der Kommunikation mit dem Pferd?
  • Wie bewegen Sie sich in ihrem Körper, damit ihr Körper eigene Sicherheit erlebt und den freien Informationsfluss aktiviert?

Für das BewegungsLernen hat die Genickentlastung bei Mensch und Pferd eine übergeordnete Wichtigkeit. Lesen Sie dazu auch folgende Artikel: „Die Genickentlastung des Pferdes – die Sicherheit des Genicks gibt dem Pferd eine andere Qualität von Bewegung“ und „Die Genickentlastung nach M. Pausch“

Auch in der Seminar-Trilogie des BewegungsLernens zieht sich die Genickentlastung wie ein roter Faden durch.

Die Seminar-Trilogie des Bewegungslernens beleuchtet in ihren drei Seminarformen die unterschiedlichen Aspekte des Pferdes. Dabei zieht sich die Genickentlastung wie ein roter Faden durch die verschiedenen Seminare.

  • Das Biomotorische Trainingsseminar: Die Bewegung und der biomotorische Umgang mit dem Pferd
  • Der Biomotorische Reitersitz: Die Biomotorische Bewegung des Pferdes unter dem Sattel und der biomotorische Reitersitz
  • Das Biomotorische Körperseminar für den Menschen: Die Biomotorische Körperbewegung des Menschen
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