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Das Biomotorische Reiten

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Na, ist der Rücken ihres Pferdes gut vor dem Reiten geschützt?

Der Pferdekörper hat eine clevere Abwehr gegen Überlastungen – mit der Biomotorik, der Eigenwahrnehmung des Körpers hat er ein perfektes Überlastungssystem „eingebaut“, das die Informationen zur Bewegung über das zentrale Nervensystem im Körper verteilen. Mit den vielen Beeinflussungen der Natur wird deshalb das natürliche Bewegungsverhalten des Pferdes gut alleine fertig.  Aber manchmal braucht der Pferdekörper Hilfe – wie zum Beispiel, wenn sich das Pferd nach den „Regeln“ des Menschen bewegen soll, oder der Mensch den Rücken des Pferdes benutzen möchte.

Wäre ja eigentlich auch kein Problem – denn klar, Bewegung ist gesund. Und da Bewegung ein Grundbedürfnis des Pferdes ist und unbedingt notwendig ist – ebenso, wie der Sauerstoff den es dabei aufnimmt, wäre auch die Bewegung unter dem Menschen kein Problem – eigentlich. Aber wir Menschen behindern bei Muskeltrainings und Bewegungskonditionierungen gerne die Biomotorik des Pferdes. Denn dass Muskeln andere „Wirksysteme“ haben, wie die „geschützten“ Bewegungen der Biomotorik, das versteht die Wissenschaft erst seit jüngster Zeit.

Das Reiten – ist es biomotorisch?

Mit dem Reiten – also der Belastung des Pferdekörpers mit dem Menschen – kommen wir in die „heiße“ Phase der Bewegungsentwicklung des Pferdes. Da entscheidet sich nun, ob er eben nur zu künstlichen Bewegungen abgerichtet wurde, oder ob der Pferdekörper die Möglichkeit hatte, sich innerhalb der vom Körper gesteckten Grenzen des natürlichen Bewegungsverhaltens zu bewegen zu können.

Die Kräfte die auf Genick und Kopf einwirken, entscheiden über die Wahrnehmungsmöglichkeiten der Sinne des Pferdes – insbesondere auch seine Augenstellung,  und deshalb auch darüber, ob eine Bewegung zusammen mit der zusätzlichen Belastung des Menschen eine Fortsetzung der Bewegungsentwicklung innerhalb des natürlichen Bewegungsverhaltens ist, oder zu einer permanenten Belastung für den Pferdekörper wird.

Das körperliche und psychische Wohlbefinden, ja im Grunde das Überleben des Pferdes hängt davon ab, ob es seine Grundbedürfnisse befriedigen kann und inwieweit das dem Pferd gelingt. Auf welche Weise das Pferd das schafft, ist mit der Entwicklung seiner Sinne gekoppelt. Die Biomotorik – die Eigenwahrnehmung des Pferdes, bedeutet deshalb nicht anderes wie mit allen Sinnen wahrzunehmen. Dieser körpereigene Mechanismus läuft ständig im Körper ab, nicht nur wenn der Mensch das Pferd reitet und ist deshalb für das Pferd auch in seinem Alltag so effizient.

Mit  „künstlichen Bewegungen“ wird dieser heilsame Ablauf gestört. Der Pferdekörper „rächt“ sich irgendwann dafür, das Bewegungen nicht das Gesamtkonzept des Körpers auffassen, denn jede künstliche Bewegung, die ge- und erhalten werden muss, wird zu einem „Energiefresser“ für den Körper. Das bedeutet für den Pferdekörper verloren gegangene, wichtige Bewegungsenergie, die das Pferd zu Bewegungen unter dem Menschen dringend braucht.

Deshalb geht es im Grunde bei der Reitausbildung eines Pferdes gar nicht darum, das Muskelsystem über das normale Niveau hinaus zu stärken – das gelingt eh nur dem Pferd selber mit seiner Biomotorik, der Eigenwahrnehmung des Körpers. Den Beitrag, den der Mensch aber tagtäglich dazu leisten kann, besteht darin, die Biomotorik des Pferdes, nicht bei seiner umfangreichen Arbeit zu stören. Etwa mit künstlich erzeugten Bewegungen oder mit hemmenden, belastenden und manchmal sogar störenden Bewegungen des Reiters, die ganze Muskelpartien aus dem Gesamtkonzept herausnehmen und den Pferdekörper damit in seiner Gesamtwahrnehmung lähmen.

Aus gegebener Wichtigkeit haben wir in der Seminarform „der Aufbau zum Biomotorischen Reiten“ ein Sonderthema: die Wechselwirkung von Pferdrücken und Atmung und in wieweit der Reiter die natürliche Atemregulation des Pferdes behindert.

Durch das Biomotorische Reiten kann das Pferd die Bewegungen des Menschen erfassen  und sie in eine gemeinsame Bewegungssprache übersetzen.

 

Das Biomotorische Reiten – das Neue Reiten

Betrachtet man die Geschichte des Reitens im Allgemeinen und mit ihrer Vielfalt an Techniken, Formen und Stilen im Speziellen, kann man erkennen, dass der reitende Mensch und der Umgang mit dem Pferd auch ein Ausdruck seines Zeitgeistes ist.

Das Biomotorische Reiten ist eine zeitgemäße Reitform, die die Anforderungen an das Pferd widerspiegeln die wir heute an das Pferd haben – nämlich keine mehr. Wir können uns absolut auf den Körper des Pferdes konzentrieren und auf das was ihm gut tut. Wir brauchen keine künstlichen Bewegungen und kein Kadaver-Gehorsam.

Das BewegungsLernen setzt auf naturnahe, funktionelle und spielerische Bewegungen und auf die Freiheit von Bewegungen, die es im Spiel mit seinem Gleichgewicht trotz der Last des Menschen ausführen kann und in der die individuellen Bewegungsqualitäten des Pferdes einfließen, anstelle von Bewegungscode, Imitation und Wahrnehmungszerstörenden Wiederholungen. Damit wird das  Reiten aus den starren Strukturen der Vergangenheit befreit.

Das biomotorische Reiten ist allerdings eine Reitform, die einen Reiter der von Einrahmungen und Strukturierungen geprägt ist, vor große Fragen stellt – denn das Biomotorische Reiten entsteht nur durch die körperliche Eigenwahrnehmung des Pferdes. Erst mit Erreichen der Tragfähigkeit des Pferdes findet eine Überlappung der Reitelemente statt, und geht dann fließend ineinander über. Klassische Reitelemente gibt es natürlich auch beim Biomotorischen Reiten – aber sie sind eine Folge von….

Unsere Blicke sind ja geradezu geschult auf die Betrachtung von „Reitpferden“ mit festem Rumpf und weit in den Raum reichenden Gliedmaßen. Wie Balletttänzer trotzen diese Pferde der Schwerkraft, ihre Muskeln werden trainiert, bis sie die anerzogene,“ schwerelose Leichtigkeit“ erlernen, die sie dazu befähigt. Der Mensch baut den Pferden Muskeln auf, um auch der Fliehkraft zu trotzen und auch der Mensch wird unbeweglich dabei und stärkt Muskeln, damit das Pferd beiden Kräften – der Schwerkraft und der Fliehkraft widerstehen kann

„Durch das Biomotorische Reiten wird Reiten ein körperlicher Ausdruck des Pferdes und sein  Körper das empfindsame Instrument dazu“.

Das Biomotorische Reiten dagegen veredelt die Natur des Pferdekörpers. Die Pferde beginnen mit den beiden Kräften zu spielen und nicht ihnen zu wiederstehen. Sie lassen sich ein, auf das Spiel des Lebens – das von dem Wechsel von Flexion und Extension bestimmt wird.

Der Reiter ist ja durch die ausgedehnte Bewegungsentwicklung und den weiteren Bewegungsaufbau seines Pferdes in eine völlig neue Bewegungswelt eingetaucht, bei der das Pferd – aber auch der Mensch die Verbindung zwischen Rumpf und Gliedmaßen neu entdeckt hat. Das Pferd fühlt sich über Leichtigkeit mit dem Boden verbunden, kann seinen Körper wieder als Ganzheit erleben und ist in ein Spiel seines Körpers mit seinem Gleichgewicht und der Schwer-und Fliehkraft eingetreten.

Macht es nicht „Sinn“, macht es die spielerische Mühelosigkeit der „Bewegungsgestaltung“ auch auf das Reiten zu übertragen?

Das Biomotorische Reiten entsteht aus der Überlegung heraus, das Pferd nicht über Übungen auf künstliche – das heißt, nicht „natürliche“ (nicht seinem Körper entsprechende) Bewegungen zu prägen. Ein Schenkelweichen ist zum Beispiel so eine „künstliche“ Übung – die würde kein Pferd freiwillig in seinem Alltag machen – bringt also dem Pferd für seine persönliche Bewegungsentwicklung nicht viel und wirkt letzten Endes schädigend.

 „Jeder Körper hat das Begehren, auf dem kürzesten Weg nach unten zum Zentrum zu kommen; und wo das größere Gewicht ist, ist das größte Begehren.“  Leonardo da Vinci

Der Pferdekörper, aber auch der Menschenkörper ist den physikalischen Naturkräften wie der Schwerkraft und der Fliehkraft ausgesetzt. Beide können denen entweder mit stetigem Krafttraining der Muskulaturen widerstehen, oder sich auf ein neuromuskuläres Spiel einlassen, bei dem z.B. die stützende Funktion des Skelettes durch Aufrichtung entgegen wirkt.

Alle „Vorarbeiten“ beim Pferd und Mensch zielen deshalb auf das Verständnis der „gemeinsamen“ Bewegung zum Reiten ab. Vor allem die koordinierten Bewegungen des Pferdes (im Bewegungsseminar „der Bewegungsaufbau“) beeinflussen das Verständnis für die Bewegungen des Pferdes. So sind in diesem Seminar  die Bewegungsabläufe im Raum vorherrschend, die mit dem Gleichgewicht, Schwerkraft und Fliehkraft spielen.

Und dann gibt es einen Punkt, an dem sich die Bewegungen von Reiter genauso wie vom Pferd verselbstständigen. Mit der sensibilisierte Wahrnehmung und den inspirierenden Handlungen der beiden Körper werden Bewegungen nicht mehr vom Kopf geplant, sondern passieren wie von selbst. In diesen Momenten taucht Pferd und Reiter zusammen in ihr Bewegungserleben ein und müssen einzelne Bewegungen nicht mehr „von außen“ erzeugen.

Wichtige zugrunde liegende Ideen aus dem  BewegungsLernen die auch für das Biomotorische Reiten gültig sind:

  • Jeder Mensch ist einzigartig in seinem Bewegungspotenzial
  • Jedes Pferd ist einzigartig in seinem Bewegungspotenzial
  • Die Quellen für die Bewegungen liegen jeweils im eigenen Körper
  • Die innere Bewegung durch Flexion und Extension suchen
  • Das BewegungsLernen bewegt das Alltägliche und das Natürliche
  • Das Reiten ist der Ausdruck von Mensch und Pferd, geformt durch beide Lebensgeschichten

Warum die biomotorische Vorarbeit viel wichtiger zum Reiten ist, als Krafttraining und Muskelarbeit

Anders wie in der klassischen Reiterei, die auf die möglichst perfekte Ausführung von Bewegungen des Pferdes ausgerichtet ist, stellt das BewegungsLernen den Bewegungsprozess in den Mittelpunkt. Nicht die Ausführung von exakten reiterlichen Übungen ist entscheidend, sondern das Fließen, das Einleiten und der weiche Übergang der gemeinsamen Bewegungen. Dabei sind weder die Fähigkeiten des Pferdes noch die des Reiters ausschlaggebend, sondern das gemeinsame Zusammenspiel von beiden.

Das Biomotorische Reiten folgt damit anderen Spielregeln: die gemeinsame Bewegung, entsteht durch kontinuierliches Gewichtabgeben im Schwerpunkt von Pferd und Mensch. Dazu braucht es Vertrauen von Mensch und Pferd in die gemeinsame Bewegung. Vertrauen bedeutet für den Menschen aber auch, wenn eine Bewegungsfolge des Pferdes nicht funktioniert, die Bewegung nicht krampfhaft erzwingen zu wollen. Die Disziplin beim BewegungsLernen besteht darin, mit dem Pferd präsent zu sein. Höchst aufmerksam für sich selbst und das Pferd zu sein, das Pferd annehmen, wie es tatsächlich gerade ist – und nicht korrigieren zu wollen, so wie wir es möchten. Das Bewegungslernen lehrt Sie, dem Bewegungsfluss zu vertrauen, Konzepte loszulassen und die unerschöpflich reichen Möglichkeiten wahrzunehmen, die das Pferd gerade anbietet.

Die Absicht des Menschen, offen für die Bewegungen des Pferdes zu sein (absichtslos)bestimmt die Qualität des gemeinsamen Duettes, die in jedem Moment des Reitens spontanes Annehmen, Gestaltung und Veränderung der Bewegungen zulässt. Das Ziel des Biomotorischen Reiten ist mit dem Pferd jeweils den Weg des geringsten Widerstandes zu finden, damit das Reiten zu einem fließenden Geschehen und zu einer Wechselwirkung der Bewegung zwischen Mensch und Pferd werden kann

Die Herausforderung beim Biomotorischen Reiten besteht darin, die Fülle an Bewegungen im Vorfeld zu erzeugen, und nicht beim Reiten die endgültige Form einzufordern. Die dominierende Rolle des Reiters wird durch ein gegenseitiges Miteinander ersetzt. Die Sensibilität für das Pferd steht dabei natürlicherweise immer im Vordergrund. Das BewegungLernen ermöglicht es uns, das Pferd so zu unterstützen, dass es sich selbst in seinem Bewegungsverhalten verändert.  Und – eine Bewegungs- und Verhaltensänderung geht immer parallel – auch beim Pferd.

Wiederbelebung der Spielfähigkeit des Pferdes auch beim Reiten

Mit dem Spielen in der Bewegung haben wir etwas absolut Hochwertiges wiederentdeckt. Die Bewegungen haben etwas „Urkindliches“. Vielleicht etwas was dem Pferd verloren gegangen ist oder einfach verstümmelt ist, weil das so in dieser Form vom Menschen nicht mehr gefragt ist und deshalb nicht mehr ausgelebt werden darf. Spielen mit dem Pferd bedeutet meistens: der Mensch spielt mit dem Pferd. Dabei hat das Spielen mit Bewegung seine absolute Daseins-Berechtigung in der Bewegung des Pferdes – nicht zuletzt auch, weil es die Beziehung zum Menschen enorm bereichert.

Zusammen mit der Biomotorik entsteht die „Selbstbewegung“ bei dem sich der Körper über die Propriozeption selbst erkennt. Beim BewegungsLernen wird der Gleichgewichtssinn in besonders starkem Ausmaß aktiviert. Im Gegensatz zu klassischen Reitformen, bei der die Bewegungsabläufe schon vorher festgelegt sind und durch Übung und Training möglichst genau nachvollzogen werden soll, steht das Spiel mit dem Gleichgewicht zusammen mit der Eigenwahrnehmung im Vordergrund,

Deshalb gibt es beim Biomotorischen Reiten auch keine „Hilfen“ – weil jedes daran denken, viele, viele Augenblicke zu lange dauern würde und weil es den Bewegungsfluss im Pferd stören würde.
Die Aufmerksamkeit des Pferdes wird nur auf seine Bewegungen gelenkt, und nicht auf eine möglichst perfekte Ausführung, damit das Spiel mit den Muskeln und seine kontinuierliche Flexion und Extension deutlicher wahrgenommen werden kann. Dieses genaue Spüren der Bewegung und der eigenen Bewegung wird auch auf das Reiten übertragen.

„Spüre die Erde unter den Hufen des Pferdes – das ist wirkliches Reiten“
Monika Pausch

Bewegung entsteht aus der Beweglichkeit der Bewegungsmuskeln heraus, nicht aus einem Training der Kraftmuskeln. Der Pferdekörper ist am handlungsfähigsten, wenn er sensibel, flexibel, durchlässig und nicht vom Menschen beherrscht wird. So kann er sich seiner Natur entsprechend bewegen und im Einklang mit den natürlichen Gesetzen handeln – und dazu braucht er seine körperliche Eigenwahrnehmung.

Beim Biomotorischen Reiten begegnen sich Pferd und Mensch mit ihren sensibilisierten Fähigkeiten, um sich gemeinsam fort zubewegen, ohne vorgegebene Schrittfolge, ohne eine Hierarchie führender Körperteile oder Körperhaltungen. Der Reiter lässt das Pferd auf die Gegebenheiten reagieren und durch den permanenten Informationsfluss seiner Bewegungen. Die positiven Erfahrungen aus der Bewegungsgestaltung stärken das Vertrauen des Pferdes. Beim Biomotorischen Reiten werden beide Körper geschult, die Reaktionen aufeinander zu verfeinern, um sie in der Weiterentwicklung unter dem Sattel bewusst und gezielt einsetzen zu können.

Nicht das Reiten selbst ist wichtig, sondern die Pferdebewegungen die das Reiten erzeugen.

Und unser neuestes Projekt ist ein Biomotorischer Reit-Workshop der im Januar in Bayern stattfinden soll.
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