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wo entsteht Bewegung?

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Bewegte Bewegung

Treppensteigen
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Aus GEO kompakt:

Als die Menschen noch nicht zwischen Wissenschaft und Mythos unterschieden, als Erkenntnis und Wunderglaube noch eins waren, konnten sie noch träumen. Unter anderem suchten die Alchemisten des Mittelalters nach einem universellen Heilmittel, nach einer Arznei, mit der sich jeder Krankheit besiegen und das Leben verlängern ließe. Vergebens. Das ersehnte All-Heilmittel blieb eine Sehnsucht.

Denn die Welt scheint zu komplex für eine derart simple Lösung – die Körper der Menschen sind zu unterschiedlich, die Krankheiten zu vielfältig.

Und doch: Seit wenigen Jahren beginnen Wissenschaftler zu verstehen, dass es etwas gibt, was dem alchemistischen Wunschtraum erstaunlich nahekommt. Etwas, von dem eigentlich jeder weiß, dass es Leib und Seele gut tut: Bewegung

 

Der menschliche Körper ist ständig in Bewegung, so das er sich auch bewegt, wenn er sich nicht bewegt. Und obwohl das für uns selbstverständlich ist, steckt hinter allen Tätigkeiten das perfekte Zusammenspiel zwischen den motorischen Systemen in Gehirn und Rückenmark und den gut 650 Muskeln, die diese dirigieren und den unzähligen Gelenken, die sie ausführen – umhüllt und angeleitet von Sehnen und Bändern. Nur wenn man alle diese Mechanismen und Vorgänge berücksichtigt, kann man die Voraussetzungen im Körper schaffen um ein eingeprägtes Bewegungsverhalten zu ändern und/oder verbessern.

 

Sit up Kopie
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Bewegung – wo entsteht sie eigentlich?

Weil viele Bewegungen unbewusst ablaufen oder im Laufe der Lebensjahre automatisiert worden, ist das Bewegen eine eher unterschätzte Leistung des Körpers.

Und doch erfordert bereits das einfache Gehen, das Heben einer Einkaufstasche oder das Schreiben des eigenen Namens ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Muskeln und Muskelgruppen und der Wirbelkette, die sie zeitlich exakt koordiniert an- beziehungsweise entspannt. Und nicht nur das: Damit Hand und Finger am Ende eines Bewegungsablaufes auch tatsächlich den eigenen Namen geschrieben haben, braucht es eine genaue Abstimmung von Absicht und Ausführung.

 

Das geschieht im Gehirn. Genauer gesagt:  für willentliche Bewegungen und auch für die Überwachung unserer Körperhaltung ist das Kleinhirn,  bestimmten Bahnen des Hirnstammes und die Hirnrinde – dem Sitz höherer Hirnfunktionen zuständig. So werden Bewegungsabläufe von den motorischen Zentren im Gehirn geplant und initiiert.

Aber erst das perfekte Zusammenspiel zwischen Gehirn, Rückenmark und den über 650 Muskeln des menschlichen Körpers verleihen uns komplexe motorische Fähigkeiten. Denn über das Rückenmark das in der Wirbelkette eingebettet ist, gelangen motorische Signale zu den Muskeln und werden dort in Bewegungen umgesetzt.

Bewegungen werden also zu großen Teilen vom Gehirn gesteuert. Damit diese motorischen Befehle auch ausgeführt werden, müssen sie zu den Muskeln gelangen. Diese Aufgabe übernehmen spezialisierte Nervenbahnen im Rückenmark – unsere motorischen Autobahnen.  Durch Rückkopplung erhält das Gehirn ständig Rückmeldung darüber, wie weit eine Bewegung fortgeschritten ist und wie viel Kraft aufgewendet wird. Gleichzeitig werden permanent die Lage des Körpers im Raum geprüft und die Bewegungen an die aktuelle Situation angepasst. Diese Informationen werden ebenfalls über Bahnen im Rückenmark geleitet, diesmal jedoch von Sinnesrezeptoren in Muskeln, Sehnen, Gelenken und Haut in Richtung Gehirn, über die so genannten sensorischen Bahnen.

 

Rücken hart
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Warum eine bewegliche Wirbelkette? 

Diese Bahnen in denen die Nerven liegen, das sogenannte Nervenbett oder Interface ist ein gigantisches Netzwerk, das den gesamten Körper durchwebt.  Vor allem  die Wirbelkanäle der Wirbelkette sind dicht gedrängt durchzogen mit Nervenbahnen die Signale aus den Gliedmaßen ins Gehirn, und zurück führen. Das Nervenbett muss, wie alle Gewebe beweglich oder zumindest elastisch und flexibel sein.

Immer dann, wenn etwas Neues erlernt oder der Mensch mit unbekannten Situationen konfrontiert wird, bildet sich eine neue Nervenbahn.  Die Aufgabe dieser Nerven-Autobahnen ist es auch, Übergänge zwischen den einzelnen Gehirnarealen zu schaffen.  Tätigkeiten, die mehr als nur eines der diversen Felder beansprucht, sorgen sie dafür, dass komplexe Prozesse fehlerfrei ausgeführt werden.

 

Standbein Kopie
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Bei der Wirbelkette, die nicht in ihren einzelnen Wirbeln beweglich ist, können die Informationen nicht fließen. Wie bei einer Fahrbahnverengung kommen nur ganz wenige Impulse durch. Ist z. B. die Lendenwirbelkette unbeweglich, oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, bekommen die Beine, oder beim Pferd die Hinterbeine unzureichende Anweisungen. So kommt es, dass Muskelbereiche für die „neuen“ Bewegungsanforderungen hergenommen werden, die dafür nicht vorgesehen sind – so entsteht Ausweichmuskulatur. ( Ich nenne sie auch Killerbewegungen – denn sie werden über Muskelkraft ausgeführt. Hört die Kraft auf, oder tritt ein Verschleiß, auch altersbedingt ein – tritt die Schädigung ein.)

 

 

 

 

Die Wirbelkette:

(in China sagt man: das Glück wohnt im Rücken)

Wenn die Natur nicht die Bewegung in der Wirbelkette gewollt hätte, hätte sie die Wirbelkette nicht mit so vielen Wirbeln ausgestattet.

Häufig muss der heutige Körper von Wirbeltier“ Mensch und  Wirbeltier Pferd erst wieder erlernen seine größte evolutionäre Errungenschaft – seine Wirbelkette, so biegsam einzusetzen, das alle Bewegungen mit der „Mutter der Bewegung“vernetzt werden. Und so die Belastung für einzelne Regionen, Muskeln, Gelenke, Sehnen und Bänder verteilt werden

Beuge Kopie
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Da die Wirbelkette Befestigungspunkt für die Muskeln die die Extremitäten und den Rumpf bewegen, ist, ist die Beweglichkeit der Gliedmaßen in einem gewissen Maß abhängig von der Beweglichkeit der Wirbelkette. Diese ist wiederum von der Spannung der tiefen Wirbelsäulenmuskeln, der dazugehörigen Bänder und der Elastizität der Bandscheiben abhängig.

Bandscheiben und die Tiefenmuskulatur sind schlecht durchblutete Gewebe, die brüchig und unelastisch werden und ihre Funktion nicht mehr ausüben können. Bei anhaltender Flexion werden die Bandscheiben gequetscht, in anhaltender Extension werden die oberen Wirbelbögen so zueinander geschoben, dass sie sich unter Umständen schmerzhaft berühren können. Vor allem die Bandscheiben leben von einer pumpenden Bewegung, die einer Ziehharmonika gleicht.

Für welche Bewegung die Wirbelkette konstruiert ist, sehen wir, wenn wir uns ihren Bewegungsumfang anschauen, denn: Die Wirbelkette des Menschen “schafft”nur relativ kleine Bewegungen. Etwa 13° bei Flexion/Extension, 4° bei einer seitlichen Beugung und etwa 1-2° bei axialer Drehung.

 

Sprint
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Muskeln – die Mobilmacher

Die Muskeln sind über Sehnen und Bänder  an Gelenken und Knochen und an der Wirbelkette befestigt. Aus diesen Mobilmachern entsteht die Bewegung. Aber – es ist immer eine vereinte Aktion des ganzen Organismus, die  Muskeln antreibt.

Ausgelöst werden die Muskelbewegungen durch Nervenimpulse. Das Gehirn sendet diese Signale über Nervenbahnen an die dafür angesteuerten Muskeln.

Auf seiner Reise vom Gehirn zu Beinen und Füßen muss das Signal  noch einen Umweg über zwei, drei weitere Schnellstraßen nehmen, bevor es am Zielort ankommt. Nur Hand- und Fingermuskeln sind direkt mit der rechten Gehirnhälte verschaltet. Das ist der Grund, warum wir so fingerfertig sind.

 

Auf seiner Reise vom Gehirn zu Beinen und Füßen muss das Signal  noch einen Umweg über zwei, drei weitere Schnellstraßen nehmen, bevor es am Zielort ankommt. Nur Hand- und Fingermuskeln sind direkt mit der rechten Gehirnhälte verschaltet. Das ist der Grund, warum wir so fingerfertig sind.

An Bewegungen des Körpers sind stets mehrere Muskeln beteiligt. Was so selbstverständlich erscheint, erfordert eine überaus komplexe Abstimmung,  denn jede Bewegung muss dosiert und den jeweiligen Umständen angepasst werden. Fortwährend geben hochempfindliche Sensoren in Muskeln Sehnen und Bändern dem Hirn Rückmeldung, ob die Kontraktion der Kraftpakete ausreichend ist, die Schaltzentrale justiert sie dann durch weitere Nervenimpulse notfalls neu.

Jede Aktivität, die einen Muskel auch nur leicht überfordert hinterlässt Spuren im Gewebe. Es bilden sich feine Risse in den Muskelfasern – Muskelkater. In den folgenden Tagen der Regeneration bessert der Muskel keineswegs nur die entstandenen Risse aus. er reagiert geradezu raffiniert auf die Verletzung indem er sich darauf vorbereitet,  daß er künftig vergleichbaren oder gar noch größeren Belastungen standhalten muss.

Bei diesem Vorgang nimmt nicht  die Anzahl der Muskelfasern zu ( die ist genetisch festgelegt) – der Muskel nimmt an Umfang zu, dadurch kann er mehr Kraft entfalten. Der Muskel schafft Verstärkung für die Zukunft.

In der Zeit nach der Überbeanspruchung  beginnt der Muskel bei Aktivität sofort, mehr Masse aufzubauen. So kann er nach einiger Zeit des Trainings bei der Kontraktion nun mehr Kraft als zuvor entfalten. Außerdem verbessert sich auch die Koordination der Muskeln, also ihre Ansteuerung durch die Nervenbahnen.

Wie wichtig dieses synchrone koordinierte Arbeiten der Muskeln ist – wird verständlich, wenn man sich klarmacht das 40% des Leistungszuwachses darauf zurückzuführen ist.

Muskeln verlieren auch im Alter auch nicht die Fähigkeit, an Masse zuzulegen. Aber, wenn die Muskeln nicht benutzt werden, verliert man sie

Die Fähigkeit bei Aktivität Muskelmasse zuzulegen, ist aber nicht nur positiv – denn leider kann das Hirn nicht zwischen falschen und guten Bewegungen unterscheiden. So legt es auch bei „falschen“ Bewegungen Muskelmasse zu – Ausweichmuskeln entstehen.

Auch beim Stillstehen verrichtet der Körper Schwerstarbeit: Muskeln im Rücken, Bauch, Hüfte,  Schulter und Nacken halten Hals und Kopf aufrecht. Sogar die vermeintliche Entspannungshaltung ist eine Herausforderung für den Mobil-mach-Komplex. Der Selbstabilisierungsmechanismus erspart dem ruhenden Körper wertvolle Kraft und Energie. (mehr in der Selbstabilisierungsmechanismus)

Wird dieser Energiesparmechanismus aber zu oft angewendet ( etwa bei zuviel sitzen, stehen oder gehen) verliert der Körper die Tiefenmuskulatur die den Körper aufrecht hält. Nun wird er nur noch über die „rote“ stark durchblutete Muskulatur gestützt. Erschlafft diese Muskulatur, etwa durch Alter, Krankheit oder durch Fehlstellungen, „hängt“ der Körper „nur“ noch in seinen Bändern.( mehr in „wenn es kaputt ist“)

Muskeln leben nach dem Prinzip „use it or lose it“. Alles was nicht gebraucht wird, was keine Bewegungsimpulse bekommt, verkümmert und athropiert. Zurück bleibt wieder der Körper, der in den „Bändern hängt“.

 

…..und was ist mit den Gelenken?

Rechtes Bein
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Warum sollen/müssen Gelenke und Wirbel federn? Gelenke der Gliedmaßen

Ein belastungsfreies und reibungsloses Bewegen der Gelenke braucht weniger Krafteinsatz der Muskeln. Denn Kraft erzeugt Gegenkraft d.h. die eingesetzte Kraft geht über die Federung der Gelenke wieder in die Muskeln zurück, die sie wieder einsetzen können.

Beim Laufen nennt man das auch gerne Rückstossenergie. Der Krafteinsatz und Verschleiß ist um ein wesentliches geringer. Und – der Körper kann eine höhere Leistung bei späterer Ermüdung, eine rollende, gleitende, energievolle Bewegung entsteht.

Arbeiten dagegen die Gelenke und Wirbel unelastisch und nicht federnd, prallt die eingesetzte Kraft stumpf und belastend auf das Gelenk auf. Die Kraft muss jedes Mal neu aufgebracht werden.  Durch den immensen Kraftaufwand entstehen falsche Muskeln, das heißt Ausweichmuskeln, die wiederum stark überlastet sind. Der Körper ermüdet rasch und verliert die Freude an der Bewegung.

 

 

Gelenke – kleine Energieknoten

Gelenke halten viel aus – wenn sie gesund sind. Der Druck auf ein Gelenk zum Beispiel kann schnell die Größenordnung einer halben Tonne (500 Kilo) erreichen, der Druck auf ein Hüftgelenk sogar das Doppelte. So gesehen sind die Gelenke Wunderwerke der Natur, denn: Die Auflagefläche, die den ganzen Druck aufnehmen muss, misst nur wenige Quadratzentimeter.

 

Die Hardware und die Software des Körpers

Das Skelett, die Wirbelkette, Muskeln, Bänder, Sehnen und Gelenke sind quasi die Hardware des Körpers. Ohne die Software – der Blutkreislauf, der Sauerstoff der über das Atmen kommt, Hormone, Stoffwechselprozesse  und die ganzen Energiekreisläufe die sich alle aus der Bewegung generieren, kann aber das ganze aufeinander eingespielte System nicht funktionieren. Und da schließt sich der Kreis des Wunderwerk Körpers.
der englische Neurophysiologe und Wegbereiter der Motorik-Forschung Charles Sherrington (1857 – 1952) sagte: „Bewegungen sind alles, was die Menschheit vollbringen kann.“

 

 

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» Mensch → Beginn und Zentrum einer Bewegung

 

 

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Monika und Roland Pausch

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